Reiskeimöl, auch als Reiskleieöl oder Reisöl bezeichnet, gewinnt zunehmend an Bedeutung in Kosmetik, Küche und Tierfütterung. Das aus der Reiskleie gewonnene Pflanzenöl zeichnet sich durch seine hohen Gehalte an Gamma-Oryzanol, Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren aus. Während es in der asiatischen Küche seit langem etabliert ist, entdecken auch europäische Verbraucher die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieses nachhaltigen Öls.
ZENTRALE Überblick
Reiskeimöl wird aus der fett- und vitaminreichen Reiskleie gewonnen, die beim Schälen des Reises anfällt Das Öl enthält bis zu 2% des einzigartigen Gamma-Oryzanol sowie hohe Mengen an Vitamin E und Phytosterolen Hauptanwendungsgebiete sind Kosmetik, Sonnenschutz und Tierfütterung, besonders für Pferde zum Muskelaufbau
Herkunft und Herstellung
Gewinnung aus Reiskleie
Reiskeimöl entsteht aus der Reiskleie, die aus Fruchtwand, Samenschale, Aleuronschicht und Embryo des Reiskorns besteht. Diese fett-, protein- und vitaminreiche Schicht fällt beim Schälen des braunen Rohreis zu weißem Reis als Nebenprodukt an. Die Kleie enthält, je nach Sorte ca. 8–20 % Öl, das durch Pressen oder mittels Lösungsmittelextraktion (Hexan, neuerdings auch Propan und überkritisches CO2) gewonnen wird.
Verarbeitungsverfahren
Die Ölgewinnung muss rasch erfolgen, da die Reiskleie Lipasen und andere Enzyme enthält, die schnell beginnen, Kohlenhydrate, Proteine und Lipide zu zersetzen. Diese Enzyme müssen zunächst inaktiviert werden, etwa indem man die Masse kurz auf 130-140°C erhitzt. Anschließend kann das Öl durch Pressung oder Lösungsmittelextraktion gewonnen werden. Natives Reiskeimöl ist gelbbräunlich und weist einen charakteristischen Geruch auf, während raffiniertes Reiskeimöl hellgelb bis klar und nahezu geruchlos ist. Vollständig raffiniertes kosmetisches Reiskeimöl enthält gegenüber dem nativen Öl in der Regel nur noch ca. 0,5–1 % Gamma-Oryzanol absolut, 66 % der vormals vorhandenen Tocopherole.
Inhaltsstoffe und Zusammensetzung
Fettsäureprofil
Das Fettsäuremuster des Reiskeimöls ähnelt dem des Arganöls. Die dominierenden Fettsäuren sind Ölsäure (ca. 43 %), Linolsäure (ca. 34 %), Palmitinsäure (ca. 17 %), Stearinsäure (ca. 1 %). Die ausgewogene Zusammensetzung zwischen Öl- und Linolsäure macht es zu einem verträglichen Basisöl. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren fehlen fast völlig und geben ihm eine gute oxidative Stabilität. Diese Eigenschaft sorgt für eine Haltbarkeit von bis zu zwölf Monaten.
Besondere Wirkstoffe
Gamma-Oryzanol
Der bedeutendste Inhaltsstoff ist Gamma-Oryzanol, eine Verbindung aus Phytosterolen, die mit der antioxidativ wirkenden Ferulasäure verestert sind. Gamma-Oryzanol ist ein Pflanzenfett, das nur im Reiskeimöl vorkommt und verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften aufweist.
Vitamin E und Antioxidantien
Es enthält einen hohen Anteil an Tocopherolen (bis 1600 mg/kg) sowie andere antioxidative Verbindungen. Diese schützen sowohl das Öl selbst vor dem Ranzigwerden als auch die Anwender vor freien Radikalen.
Weitere Bestandteile
Das Öl enthält außerdem Phytosterole (1-5%), Squalen und in nativem Öl auch Lecithine. Anteile an Unverseifbarem: 1–5 % Phytosterole (β-Sitosterol, Campesterol, Stigmasterol, Δ5-Avenasterol u. a.), Lecithine (nur in nativem Öl), Wachse.
Anwendung in der Kosmetik
Hautpflege
Reiskeimöl eignet sich besonders für die Pflege trockener, sensibler und gereizter Haut. Im Hautgefühl ist es ein eher leichtes, gering fettendes Öl, das Emulsionen einen angenehm »feuchten« Charakter verleiht. Es zieht gut ein und hinterlässt keinen fettigen Film auf der Haut. Die enthaltenen Phytosterole beruhigen die Haut und können bei Juckreiz oder anderen Hautirritationen Linderung verschaffen. Ölsäure erhöht die Elastizität der Haut und erleichtert das Eindringen anderer Wirkstoffe in tiefere Hautschichten.
Sonnenschutz
Die oxidative Stabilität und der Gehalt an UVA- und UVB-absorbierendem, antioxidativ wirkendem natürlichem γ-Oryzanol prädestiniert Reiskeimöl für einen Einsatz in Sonnenschutzpräparaten. Das Gamma-Oryzanol fungiert als natürlicher UV-Filter und absorbiert schädliche Strahlung.
Haarpflege
In der Haarpflege eignet sich Reiskeimöl besonders für normales Porositätshaar – geschwächte, dünne oder glanzlose Haare. Vitamin E, Phytosterole, gute Fettsäuren (u.a. Ferulasäure) verbessern den Zustand der Kopfhaut, regenerieren die Haaroberfläche, schützen die Haare vor den Beschädigungen.
Verwendung in der Küche
Kocheigenschaften
Raffiniertes Reiskeimöl ist aufgrund seiner oxidativen Stabilität gut zum Braten und Frittieren geeignet. Es ist hitzebeständig und geschmacksneutral, was es zu einer vielseitigen Alternative zu anderen Speiseölen macht. Da es raffiniert ist, lässt es sich hocherhitzen, sodass du damit Speisen scharf anbraten und frittieren kannst.
Kulinarische Tradition
In der asiatischen Küche ist Reiskeimöl seit langem etabliert. Reiskeimöl ist seit jeher ein Basic der asiatischen Küche. Es eignet sich sowohl für warme als auch kalte Speisen und kann zur Herstellung von Mayonnaise verwendet werden.
Anwendung bei Tieren
Pferde
Der Haupteinsatzbereich von Reiskeimöl liegt in der Pferdefütterung. Der hohe Gehalt an Gamma-Oryzanol im Reiskeimöl fördert die Leistungsfähigkeit und unterstützt die Muskulatur des Pferdes beim Aufbau neuer Muskelzellen. Dosierung für Pferde: Erwachsene Pferde erhalten während des Muskelaufbautraining täglich 25 ml Reiskeimöl. Idealerweise sollte die Fütterung über mindestens 4 bis 6 Wochen erfolgen.
Weitere Tiere
Auch für Hunde kann Reiskeimöl als Nahrungsergänzung eingesetzt werden, allerdings in deutlich geringerer Dosierung entsprechend der Körpergröße. Die muskelaufbauende Wirkung und die Unterstützung des Energiestoffwechsels kommen auch kleineren Tieren zugute.
Qualitätsunterschiede
Native versus raffinierte Öle
Natives Reiskeimöl bewahrt mehr der wertvollen Inhaltsstoffe, ist jedoch aufgrund des markanten Geruchs und der kürzeren Haltbarkeit seltener im Handel erhältlich. Raffiniertes Reiskeimöl ist länger haltbar und geschmacksneutral, verliert aber einen Großteil seiner bioaktiven Verbindungen.
Qualitätsstufen für verschiedene Anwendungen
Daneben gibt es mit Oryzanol angereicherte und auf einen bestimmten Wert standardisierte, diätische Öle, die als Nahrungsergänzungsmittel (u. a. für Sportpferde) angeboten werden. Diese sind speziell für die Tierfütterung konzipiert, während kosmetische und Speiseöle höheren Reinheitsstandards unterliegen.
Nachhaltigkeit und Umweltaspekte
Reiskeimöl punktet aus Nachhaltigkeitssicht, da es aus einem Nebenprodukt der Reisverarbeitung gewonnen wird. Aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit ist Reiskeimöl empfehlenswert, da es sich um ein verwertetes Abfallprodukt handelt. Die Reiskleie würde andernfalls hauptsächlich als Tierfutter verwendet oder entsorgt werden. Die Haupterzeugerländer sind China, Indien, Bangladesch und Indonesien. Für eine bessere Umweltbilanz sollten Verbraucher auf europäische Herkunft achten, um lange Transportwege zu vermeiden.
Besondere Eigenschaften
Stabilität und Haltbarkeit
Die geringe Menge an mehrfach ungesättigten Fettsäuren verleiht Reiskeimöl eine bemerkenswerte oxidative Stabilität. Die Einordnung als halbtrocknendes Öl mit einer Jodzahl um 100 mit leichter Tendenz darüber bis etwa 115 macht es zu einem lagerstabilen Produkt.
Verträglichkeit
Das Öl gilt als hypoallergen und gut verträglich. Das Öl ist hypoallergen, bewirkt keine Reizungen und ruft keine allergischen Reaktionen hervor, deshalb eignet es sich für jeden Hauttyp.
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