Sonnenblumenöl ist ein aus den Achänen der Sonnenblume (Helianthus annuus) gewonnenes Pflanzenöl von hellgelber Farbe und mildem Geschmack. Als vierthäufigstes Pflanzenöl weltweit nach Palm-, Soja- und Rapsöl erreichte die globale Produktion 2022 etwa 18,5 Millionen Tonnen. Das vielseitige Speiseöl zeichnet sich durch seinen außergewöhnlich hohen Vitamin E-Gehalt aus und wird in verschiedenen Qualitäten angeboten – von traditionellem linolsäurereichem Öl bis hin zu modernem High Oleic Sonnenblumenöl mit verbesserter Hitzestabilität.
ZENTRALE Überblick
Sonnenblumenöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren und weist mit 52-76 mg pro 100g einen außergewöhnlich hohen Vitamin E-Gehalt auf High Oleic Varianten enthalten bis zu 90% Ölsäure statt Linolsäure und sind dadurch hitzestabiler Traditionell enthält normales Sonnenblumenöl 48-74% Linolsäure (Omega-6) bei nur 14-39% Ölsäure
Geschichte und Herkunft
Ursprung in Nordamerika
Sonnenblumenöl wurde in Nordamerika bereits vor drei bis vier Jahrtausenden genutzt. Etwa vor 3000 bis 4000 Jahren wurde die Sonnenblume von den Indianern als Nutzpflanze entdeckt. Sie nutzten die Kerne zur Gewinnung von Sonnenblumenkernöl und für Fladenbrote.
Europäische Verbreitung
Vermutlich brachten spanische Entdecker die Ölpflanze mit nach Europa, wo sie vor allem in Italien, Deutschland und Frankreich genutzt wurde. Ursprünglich stammt die leuchtend gelbe Sonnenblume aus Nord- und Mittelamerika, wo sie bereits von den Ureinwohnern kultiviert wurde.
Moderne Produktion
Heute ist Russland der wichtigste Erzeuger von Sonnenblumenöl, weitere wichtige Erzeugerregionen sind die EU, Argentinien und die Ukraine. Die Ukraine und Russland gehören zu den weltweit größten Exporteuren von Sonnenblumenöl, daher sorgte der russische Überfall auf die Ukraine 2022 für einen Mangel an Sonnenblumenöl in Deutschland.
Botanische Grundlagen
Die Sonnenblume
Die Sonnenblume gehört zu den Korbblütlern und richtet ihre Blüte nach dem Sonnenlicht aus. Bis zu 2000 Kerne enthält die Sonnenblume nach der Blüte. Über 1.000 Kerne, die botanisch zu den Nüssen zählen, können aus einer Blüte gewonnen werden.
Ernte und Verarbeitung
Die Sonnenblume gehört mit zu den letzten Feldfrüchten des Jahres und wird etwa Mitte Oktober geerntet. Der Erntezeitpunkt auf den Feldern ist erreicht, wenn die Kerne in der Blüte schwarz gefärbt sind. Die Rückseite der Blüte ist dann dunkelbraun bis schwarz.
Herstellungsverfahren
Kaltpressung
Zur Gewinnung des Öls werden die reifen Sonnenblumensamen geschält, gemahlen und anschließend kalt ausgepresst. Bei Kaltpressung des Öls bleiben viele Vitamine und ernährungsphysiologisch wertvolle Fettsäuren in ihrer bioaktiven Form erhalten, wenn die Flüssigkeit nicht über 30°C erwärmt wird.
Heißpressung
Für die industrielle Verwendung ist auch die Heißpressung möglich. Beim Warmpressverfahren wird das Sonnenblumenöl bei hohen Temperaturen gewonnen. Dadurch ist die Ausbeute deutlich höher und das gewonnene Öl hat eine längere Haltbarkeit, allerdings gehen dadurch auch wertvolle Inhaltsstoffe zum Teil verloren.
Extraktion und Raffination
Eine höhere Ölausbeute ist durch Extraktion möglich. Durch Kaltpressung gewonnenes Sonnenblumenöl ist hellgelb, heiß gepresstes ist rotgelb. Nach Extraktion und Raffination ist das Öl hellgelb und klar.
Fettsäurenzusammensetzung
Traditionelles Sonnenblumenöl
Das traditionelle Sonnenblumenöl besteht zum Großteil aus den Fettsäuren Ölsäure (14-39%), Linolsäure (48-74%), Linolensäure (0-0,3%), Palmitinsäure (4-8%) und Stearinsäure (3-6%). Der Anteil an gesättigten Fettsäuren liegt bei 8%, der Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren bei 27% und der Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren bei 65%.
High Oleic Sonnenblumenöl
Bei den sogenannten High-Oleic-Sonnenblumen (HO-Sonnenblumen) wurde durch Züchtung der Ölsäure-Anteil auf 70 bis maximal 92 Prozent erhöht und der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren massiv gesenkt (auf nur noch ca. 10 Prozent). Es kamen dabei klassische Zuchtmethoden zum Einsatz, also keine Gentechnik.
Fettsäureprofil High Oleic
High Oleic Sonnenblumenöl hat ein Fettsäuremuster von: Ölsäure: 75-90% Linolsäure: 2-17% Palmitinsäure: 2-5% Stearinsäure: 2-7% Das klassische Sonnenblumenöl kommt mit 60-65% Linolsäure (pflanzliches Omega-6). Die Sonnenblumen, aus denen High-Oleic Sonnenblumenöl hergestellt werden, haben hingegen nur bis zu 10% Linolsäure und dafür ca. 80% Ölsäure.
Vitamine und Inhaltsstoffe
Vitamin E-Gehalt
Auffällig ist der hohe Vitamin-E-Gehalt in Sonnenblumenöl. Mit etwa 56 bis 76 Milligramm pro hundert Gramm enthält es deutlich mehr Vitamin E als zum Beispiel Raps- oder Olivenöl. Dieser schützt vor oxidativem Verderb und verbessert daher die Lagerfähigkeit.
Antioxidative Eigenschaften
Vitamin E gehört zu den Antioxidantien, die unsere Zellen vor den schädlichen Angriffen von sogenannten freien Radikalen schützen. Darüber hinaus braucht unser Körper Vitamin E für den Fettstoffwechsel und zur Gesundhaltung der Haut.
Weitere Vitamine
Das Öl enthält neben Vitamin E auch Vitamin B, Vitamin D und Vitamin K. Es gibt ernährungsphysiologische Gründe, die für die Verwendung von Sonnenblumenöl sprechen. So enthält es die wichtigen Vitamine A, B, D und K und vor allem E.
Anwendung in der Küche
Kaltgepresstes Sonnenblumenöl
Kaltgepresstes Sonnenblumenöl ist ein wertvolles Speiseöl und Grundlage von Salatsoßen, Dips, Saucen, Marinaden, Mayonnaise und Margarine. Kaltgepresstes, natives Sonnenblumenöl kannst du gut für Salatdressings oder Dips verwenden, zu denen der nussige Geschmack passt.
Raffiniertes Sonnenblumenöl
Raffiniertes Sonnenblumenöl kann bis 213°C erhitzt werden, unraffiniertes bis 107°C. Sonnenblumenöl ist hitzestabil und wird zum Frittieren verwendet. Das Öl ist aber weitaus vielseitiger verwendbar. Beispielsweise kann es beim Backen andere Fette wie Butter ersetzen.
High Oleic zum Braten
Sonnenblumenöl von „High-Oleic"-Sorten ist hitzestabiler und wird daher auch zum Frittieren eingesetzt. High Oleic Öle können bis zu 210°C erhitzt werden. Das schonend kaltgepresste HO-Sonnenblumenöl hat einen Rauchpunkt von 210°C.
Gesundheitliche Eigenschaften
Essentielle Fettsäuren
Linolsäure gehört zu den essentiellen Fettsäuren, die unser Körper nicht selber herstellen kann. Er braucht sie unter anderem, um andere Fettsäuren zu bilden und sie trägt zu einer gesunden Haut bei.
Omega-Fettsäuren-Verhältnis
Dennoch solltest du nicht zu viel von dieser Fettsäure zu dir nehmen, da Omega-6-Fettsäuren die Funktion von Omega-3-Fettsäuren im Körper hemmen. Ein gutes Verhältnis zwischen Omega-6 und Omega-3 liegt laut einer Studie aus dem Jahr 2008 zwischen 5:1 und 2:1.
Cholesterinspiegel
Sonnenblumenöl enthält nur 13 Prozent gesättigte Fettsäuren, die sich nachteilig auf den Cholesterinspiegel auswirken können. Regelmäßige Anwendung von Sonnenblumenöl unterstützt die Therapie bei Diabetes mellitus, Herzerkrankungen und senkt den Cholesterinspiegel.
Anwendung in der Kosmetik
Hautpflege
Da Sonnenblumenöl viel Linolsäure und Vitamin E enthält, wirkt es positiv auf die Haut. Laut einer Studie hilft es zum Beispiel bei der Wundheilung, wirkt antibakteriell und unterstützt die Haut dabei, sich zu regenerieren.
Eigenschaften für die Haut
Sonnenblumenkernöl zeichnet sich insbesondere durch seinen hohen Anteil an Linolsäure und einen sehr geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren aus. Dadurch ist es ein sehr leichtes und nicht aufliegendes Öl, das schnell einzieht.
Warme Eigenschaften
Da Sonnenblumenöl über wärmende Eigenschaften verfügt, ist es sogar bei Hautgeschwüren, Rheuma und Gelenkserkrankungen hilfreich. Aber auch wenn Sonnenblumenkernöl im Allgemeinen sehr gut verträglich ist, sollte man es lieber nicht verwenden, wenn man unter Couperose leidet.
Medizinische und pharmazeutische Anwendung
Traditionelle Verwendung
Traditionell angewendet wird Sonnenblumenöl bei Verstopfung sowie äußerlich zur Wundbehandlung und bei Rheuma. Das Öl hilft bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit, da es schleimlösend wirkt.
Pharmazeutische Anwendungen
In der Pharmazie stellt das Öl ein Füllmaterial in Weichgelatinekapseln dar, daneben wird es für Salben und Cremes verwendet und kann teuere Öle wie Olivenöl oder Erdnussöl in Medizinprodukten ersetzen.
Ölziehen
Für die Ölziehkur, ursprünglich aus Russland kommend, wird das Sonnenblumenöl benutzt. Das Ziel ist es, mit Hilfe der Ölziehkur den Körper zu entgiften und entschlacken. Wegen seines milden Geschmacks kann Sonnenblumenöl auch gut zum Ölziehen verwendet werden.
Industrielle Verwendungen
Technische Anwendungen
Industriell wird Sonnenblumenöl für Farben und Lacke verwendet, zudem ist es in Öl- und Künstlerfarben enthalten. Auch in der Lederbearbeitung und in der Tuchfabrikation (Konservierungsmittel) wird es eingesetzt.
Biodiesel
Als Biokraftstoff kann reines Sonnenblumenöl als Pflanzenölkraftstoff eingesetzt werden, anders als bei Rapsölkraftstoff sind die Kraftstoffqualitäten jedoch nur wenig erforscht. 2017 lag der Anteil an Sonnenblumenöl bei der Biodieselherstellung in der EU nur noch bei einem Prozent.
Lagerung und Haltbarkeit
Lagerbedingungen
Wird das Öl unter 20°C, trocken und lichtgeschützt gelagert, so ist es mindestens 12 Monate nach Produktion haltbar. Sonnenblumenöl gilt als sehr lagerstabil. Das High Oleic Sonnenblumenöl kann sogar 18 Monate gelagert werden. Mehr zur generellen Lagerung von Speiseölen.
Oxidative Stabilität
Obwohl Sonnenblumenöl einen recht hohen Anteil an Tocopherol besitzt, gehört es zu den Ölen, die schnell ranzig werden. Der Grund dafür ist, dass es vorwiegend α-Tocopherol enthält, das zwar zellschützend wirkt, aber nicht schützend für die Pflanze bzw. für das Öl.
Qualitätsunterschiede
Native versus raffinierte Qualität
Natives Sonnenblumenöl wird kaltgepresst und nach der Pressung nicht weiter bearbeitet. Es ist hellgelb und schmeckt nussig. Raffiniertes Sonnenblumenöl dagegen wird unter anderem von Farb- und Bitterstoffen gereinigt. Deswegen schmeckt es neutraler und hat eine blassere Farbe.
Geschmacksprofil
Das Öl ist fast geruchlos, riecht leicht aromatisch fettig, nussig und holzig und weist eine Röst- oder Grünnote auf. Der Geschmack ist mild. Sonnenblumenöl findest du meist raffiniert im Handel. Es riecht und schmeckt neutral.
Verfügbarkeit und Preis
Marktstellung
Sonnenblumenöl wird in jedem Supermarkt, in Bioläden und Reformhäusern angeboten und zählt zu den preisgünstigsten Ölen. Nach Rapsöl ist es das beliebteste Speiseöl in Deutschland.
Qualitätskontrolle
Der gesamte Herstellungsprozess wird kontinuierlich von Qualitätsabteilungen geprüft und überwacht. Jede Flasche Öl hat bis zu 18 Analysen durchlaufen. Das beginnt bei der Rohware und setzt sich über die gesamte Produktion fort.
Besondere Eigenschaften
Vielseitigkeit
Das Pflanzenöl gilt als wertvolles Speiseöl, das vielseitig verwendbar ist: in Salaten und ungekochten Gerichten, Dressings und Saucen sowie beim schonenden Dünsten von Gemüse. Das Öl ist mild und neutral und auch zur Verwendung in Babynahrung geeignet.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Ernährungsphysiologisch sind High Oleic Züchtungen allerdings umstritten, da gerade der sehr hohe und nur vom Distelöl übertroffene Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren das natürliche Sonnenblumenöl zu einem der wertvollsten Öle für die menschliche Ernährung macht.
traditionellesHigh Oleic