Dronabinol ist der internationale Freiname für Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC), den psychoaktiven Hauptwirkstoff der Hanfpflanze. In der Medizin wird Dronabinol zunehmend als Therapieoption eingesetzt, insbesondere zur Behandlung von Schmerzen, Spastik, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Die Substanz kann aus Cannabis gewonnen, aber auch teil- oder vollsynthetisch hergestellt werden.
Was ist Dronabinol?
Wirkstoff: Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) Herstellung: Meist teilsynthetisch aus CBD, seltener vollsynthetisch Eigenschaften: Fettlöslich, harzig, gelblich, geruchs- und geschmacksneutral Formen: Ölige Lösungen (z.B. in Neutralöl/Miglyol), Tropfen, Kapseln
Wirkmechanismus
Dronabinol wirkt auf das Endocannabinoid-System des Körpers, das über CB1- und CB2-Rezeptoren zahlreiche Prozesse reguliert: CB1-Rezeptoren: Vor allem im zentralen Nervensystem, beeinflussen Schmerz, Appetit, Motivation, Übelkeit und Bewegungskoordination. CB2-Rezeptoren: Überwiegend im Immunsystem, regulieren Entzündungsprozesse. Dronabinol aktiviert diese Rezeptoren, wodurch die beschriebenen Effekte ausgelöst werden.
Anwendungsgebiete
Dronabinol wird ärztlich verordnet bei: Chronischen Schmerzen (z.B. Tumorschmerzen) Spastik (insbesondere bei Multipler Sklerose) Appetitlosigkeit und Übelkeit (z.B. bei Chemotherapie, AIDS) Neurologischen Erkrankungen (z.B. Tourette-Syndrom, Restless-Legs-Syndrom) Glaukom (selten) Hinweis Schweiz: Eine ärztliche Verordnung und Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit sind erforderlich. In Deutschland ist Dronabinol als Rezepturarzneimittel nach ärztlicher Verschreibung erhältlich.
Dosierung und Einnahme
Individuelle Dosierung: Start meist mit 2,5 mg oral, Steigerung nach Verträglichkeit und Wirkung. Einnahme: Orale Tropfen, ggf. auf Brot oder in Joghurt. Nicht in Wasser löslich. Wirkeintritt: 30-120 Minuten nach Einnahme, Wirkungsdauer 4-6 Stunden (appetitanregend bis 24 Stunden). Hinweis: Einnahme vor Mahlzeiten kann die Wirkung verbessern.
Nebenwirkungen
Mögliche unerwünschte Wirkungen sind: Mundtrockenheit, gerötete Augen, Herzrasen (Tachykardie) Blutdruckabfall, Schwindel, Müdigkeit Appetitsteigerung, Veränderungen der Stimmung und des Zeitgefühls Seltener: Übelkeit, Halluzinationen, Verwirrtheit Die Nebenwirkungen sind dosisabhängig und nehmen bei regelmäßiger Anwendung meist ab.
Wechselwirkungen
Dronabinol kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, z.B.: Sympathomimetika (verstärken Herzrasen) Anticholinergika (verstärken Nebenwirkungen) Sedativa (verstärken dämpfende Effekte) Verdrängung anderer Medikamente aus der Proteinbindung Vor Verschreibung sollte der gesamte Medikamentenplan geprüft werden.
Kontraindikationen
Dronabinol sollte nicht angewendet werden bei: Allergie gegen THC Schwangerschaft und Stillzeit Schwere psychiatrische Erkrankungen (z.B. Schizophrenie, schwere Depression) Schwere Herzerkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Rhythmusstörungen) Unbehandelter Bluthochdruck Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren
Suchtpotenzial
Das Abhängigkeitspotenzial bei medizinischer Anwendung und korrekter Dosierung gilt als gering. Bei Missbrauch oder hoher Dosierung kann jedoch eine psychische Abhängigkeit entstehen.
Wichtige Hinweise für Patienten
Fahrtüchtigkeit: Dronabinol kann die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Während der Dosiseinstellung und nach Einnahme sollte auf das Führen von Fahrzeugen verzichtet werden. Reisen: Bei Auslandsreisen ist eine beglaubigte ärztliche Verordnung mitzuführen. Die Rechtslage ist je nach Land unterschiedlich. Alkoholkonsum: Kombination mit Alkohol kann die Wirkung verstärken und die Fahrtüchtigkeit weiter beeinträchtigen.
Erfahrungen
Patienten berichten insbesondere bei chronischen Schmerzen, Spastik und Appetitlosigkeit von einer Verbesserung der Symptome. Die Wirkung ist individuell unterschiedlich und sollte engmaschig ärztlich überwacht werden.
Weiterführende Informationen
https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=dronabinolhttps://www.infomed.ch/pk_template.php?pkid=56