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Amaranth - Das unsterbliche Pseudogetreide erobert Europa

von Redaktion

Das Pseudogetreide Amaranth erlebt nach jahrhundertelanger Vergessenheit ein beeindruckendes Comeback. Was einst als heilige Pflanze der Inkas, Azteken und Mayas verehrt wurde, erobert heute europäische Teller als glutenfreie Superfood-Alternative. Die kleinen, hirseähnlichen Samen der Amaranthus-Pflanze bieten nicht nur eine außergewöhnliche Nährstoffdichte, sondern auch nachhaltige Anbaumöglichkeiten für die heimische Landwirtschaft.

ZENTRALE Überblick

Amaranth enthält 15-18% hochwertiges Eiweiß mit allen essentiellen Aminosäuren und übertrifft damit herkömmliche Getreidesorten deutlich Das glutenfreie Pseudogetreide liefert 370 kcal pro 100g sowie wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium, Calcium und Phosphor  Erfolgreicher Anbau in Deutschland und Österreich möglich mit Erträgen bis zu 2.900 kg pro Hektar bei geringen Bodenansprüchen

Botanische Einordnung und Herkunft

Amaranth gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) und umfasst etwa 75 bis 100 Arten weltweit. Botanisch unterscheidet sich das Pseudogetreide grundlegend von echtem Getreide, da es nicht zu den Süßgräsern zählt. Der Name leitet sich vom altgriechischen amàranthos ab, was unsterblich oder nicht welkend bedeutet. Die Kulturpflanze stammt ursprünglich aus den Anden Süd- und Mittelamerikas, wo sie seit über 5.000 Jahren als Grundnahrungsmittel kultiviert wird. Hauptanbaugebiete befinden sich traditionell in Bolivien, Peru und Ecuador in Höhenlagen bis zu 4.000 Metern. Nach der spanischen Eroberung wurde der Anbau aufgrund der religiösen Bedeutung für die Ureinwohner jahrhundertelang verboten.

Außergewöhnliche Nährstoffzusammensetzung

Amaranth beeindruckt durch seine herausragende Nährstoffdichte. Mit 15-18% Protein übertrifft es deutlich herkömmliche Getreidesorten wie Weizen oder Reis. Besonders wertvoll ist die biologische Wertigkeit von 75, die auf das vollständige Aminosäureprofil mit den essentiellen Aminosäuren Lysin und Methionin zurückzuführen ist. Der Fettgehalt von 9-10% besteht zu 70% aus ungesättigten Fettsäuren, darunter die wichtigen Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure) und Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure). Der Kohlenhydratanteil von 50-65% liefert langanhaltende Energie bei einem Brennwert von 370 kcal pro 100g. Bei den Mineralstoffen punktet Amaranth besonders mit hohen Gehalten an Eisen (9mg), Magnesium (308mg), Calcium (159mg) und Phosphor (557mg) pro 100g. Diese Werte übertreffen die meisten konventionellen Getreidesorten deutlich.

Gesundheitliche Vorteile und Anwendungen

Das glutenfreie Pseudogetreide eignet sich ideal für Menschen mit Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit. Die enthaltenen Antioxidantien schützen die Zellen vor oxidativem Stress, während die Ballaststoffe die Darmgesundheit fördern. Für Sportler ist Amaranth aufgrund des hohen Protein- und Mineralstoffgehalts besonders wertvoll. Die essentiellen Aminosäuren unterstützen den Muskelaufbau, während Magnesium und Eisen die Leistungsfähigkeit fördern. Vegetarier und Veganer profitieren vom hohen Gehalt an pflanzlichem Eiweiß und Eisen, das sonst hauptsächlich in Fleischprodukten vorkommt. Die Kombination mit Vitamin C kann die Eisenaufnahme zusätzlich verbessern.

Vielseitige Verwendung in der Küche

Amaranth lässt sich äußerst vielseitig zubereiten. Die kleinen Samen können wie Reis gekocht, zu Mehl verarbeitet oder gepufft als Müslizutat verwendet werden. Der nussige Geschmack harmoniert sowohl mit süßen als auch herzhaften Gerichten. Beliebte Zubereitungsarten umfassen Amaranth-Risotto, Bratlinge, Suppen und Backwaren. Auch die jungen Blätter der Pflanze sind essbar und können wie Spinat zubereitet werden. Gepuffter Amaranth eignet sich hervorragend als knuspriges Topping für Salate oder Desserts. Beim Kochen sollte Amaranth im Verhältnis 1:2,5 mit Wasser etwa 15-20 Minuten geköchelt werden. Eine vorherige Röstung verstärkt den nussigen Geschmack.

Nachhaltiger Anbau in Europa

Der Amaranth-Anbau in Deutschland und Österreich gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die anspruchslose Pflanze gedeiht auch auf weniger fruchtbaren Böden und benötigt deutlich weniger Wasser als viele andere Kulturpflanzen. In der Steiermark konnten bereits Erträge bis zu 2.900 kg pro Hektar erzielt werden. Die Aussaat erfolgt Mitte April bis Mai mit Einzelkorn-Sämaschinen, da das Tausendkorngewicht nur etwa 1 Gramm beträgt. Die Ernte findet von September bis Oktober statt. Bio-Amaranth aus heimischem Anbau reduziert die Transportwege aus Südamerika erheblich und verbessert die CO₂-Bilanz. Die Pflanze eignet sich hervorragend für den ökologischen Landbau, da sie kaum Krankheiten oder Schädlinge kennt.

Anbau im eigenen Garten

Amaranth lässt sich problemlos im Hausgarten kultivieren. Die Pflanze bevorzugt vollsonnige, windgeschützte Standorte mit durchlässigen Böden. Staunässe sollte unbedingt vermieden werden. Die Aussaat erfolgt ab Mitte Mai direkt ins Freiland oder ab März als Vorkultur im Haus. Der Reihenabstand sollte etwa 45 cm betragen. Eine einzelne Pflanze kann bis zu 50.000 Samen produzieren, weshalb eine rechtzeitige Ernte wichtig ist, um Selbstaussaat zu verhindern. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis August mit charakteristischen rotorangenen bis purpurrotenBlütenrispen. Die Ernte der Samen erfolgt vor dem ersten Frost, wenn die Blütenstände trocken und bräunlich sind.

Wirtschaftliche Perspektiven

Der europäische Amaranth-Markt wächst stetig. Während Deutschland derzeit noch etwa 6.700 Tonnen jährlich importiert, hauptsächlich aus Polen und Russland, steigt das Interesse am heimischen Anbau. Die Anbaufläche für Bio-Amaranth in Deutschland ist zwischen 2020 und 2022 von 1.600 auf 4.100 Hektar gewachsen. Brandenburg führt mit 1.500 Hektar Anbaufläche. Bei entsprechender Nachfrage könnte sich die Anbaufläche auf 30-40 Hektar pro Betrieb ausweiten. Der Verkaufspreis für Bio-Amaranth liegt deutlich über dem herkömmlicher Getreide, was attraktive Deckungsbeiträge für Landwirte ermöglicht. Die Vermarktung erfolgt hauptsächlich über Naturkostläden, Reformhäuser und zunehmend auch über den konventionellen Lebensmittelhandel.

Herausforderungen und kritische Aspekte

Trotz der positiven Eigenschaften gibt es auch kritische Punkte zu beachten. Amaranth enthält Gerbstoffe und Oxalsäure, weshalb Menschen mit Nierenproblemen vorsichtig sein sollten. Für Kleinkinder unter zwei Jahren wird aufgrund möglicher Nährstoffhemmung vom Verzehr abgeraten. Die langen Transportwege aus Südamerika belasten die Umweltbilanz. Zudem entsprechen die Kontrollen für ökologischen Anbau in den Herkunftsländern nicht immer den europäischen Standards. Der Export kann zudem zu Nahrungsmittelknappheit in den Anbauregionen führen. Die sehr kleinen Samen erschweren die mechanische Ernte und erfordern spezielle Sämaschinen. Auch die späte Abreife als Kurztagspflanze kann in nördlichen Regionen problematisch werden.

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