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Maca: Das geheimnisvolle Superfood aus den Anden

von Redaktion

Maca (Lepidium meyenii) ist eine uralte Kulturpflanze aus den unwirtlichen Höhenlagen der peruanischen Anden, die in den vergangenen Jahren als vermeintliches Superfood weltweite Aufmerksamkeit erhalten hat. Die zu den Kreuzblütengewächsen gehörende Knolle soll sowohl die sexuelle Leistungsfähigkeit als auch die allgemeine Vitalität steigern. Während die indigene Bevölkerung Perus bereits seit über 2000 Jahren auf die Kraft der birnenförmigen Wurzel vertraut, zeigt sich die moderne Wissenschaft bei der Bewertung ihrer Wirksamkeit deutlich zurückhaltender.

ZENTRALE Überblick

Maca wächst in extremen Höhenlagen von 3000 bis 4500 Metern und enthält wertvolle Aminosäuren, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe Wissenschaftliche Studien zeigen gemischte Ergebnisse bei sexueller Dysfunktion und Fruchtbarkeit, aber keine eindeutigen Belege für beworbene Wirkungen Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor möglichen unerwünschten Wirkungen aufgrund unzureichender Datenlage

Botanische Besonderheiten und Herkunft

Die Maca-Pflanze erreicht nur eine Wuchshöhe von etwa 20 bis 30 Zentimetern und gehört zur gleichen Pflanzenfamilie wie Kohl, Radieschen und Meerrettich. Ihr eigentlicher Wert liegt in den unterirdischen Speicherknollen, die je nach Sorte eine weißgelbe bis dunkelrote oder fast schwarze Färbung aufweisen können. Diese birnenförmigen Knollen mit einem Durchmesser von 3 bis 5 Zentimetern müssen extremste Bedingungen überstehen. In ihrer Heimat, den peruanischen Anden zwischen 3000 und 4500 Metern Höhe, ist die Pflanze kontinuierlichen starken Winden, intensiver UV-Strahlung und drastischen Temperaturschwankungen ausgesetzt. Diese extremen Umweltbedingungen haben vermutlich zur Entwicklung der besonderen Inhaltsstoffe beigetragen, die Maca heute so interessant machen.

Traditionelle Verwendung bei den Inka

Die Nutzung von Maca reicht bis zu den Inka zurück, die bereits im 15. Jahrhundert die stärkenden Eigenschaften der Knolle erkannten. Unter dem Inka-König Pachacútec wurde die Junín-Region sogar speziell für den Maca-Anbau reserviert. Die Krieger erhielten die Knolle als Stärkungsmittel vor wichtigen Schlachten, während sie ansonsten der Oberschicht und dem Adel vorbehalten war. In der traditionellen Anwendung wurde Maca als Grundnahrungsmittel roh, gekocht, geröstet oder getrocknet verzehrt. Die einheimische Bevölkerung stellt daraus süße Breie, aromatische Säfte mit Honig und Früchten sowie Mehle für Brot und Gebäck her. Bis heute konsumieren die Bewohner der Anden täglich 50 bis 100 Gramm getrocknetes Maca pro Portion.

Wissenschaftlich analysierte Inhaltsstoffe

Die getrockneten Maca-Knollen weisen eine bemerkenswerte Nährstoffdichte auf. Sie enthalten etwa 59 Prozent hydrolysierbare Kohlenhydrate, 10 Prozent Protein, 8,5 Prozent Ballaststoffe und 2,2 Prozent Lipide. Besonders wertvoll sind die enthaltenen Aminosäuren, wichtige Mineralstoffe wie Calcium, Eisen, Zink, Magnesium und Phosphor sowie verschiedene Vitamine. Die charakteristischen sekundären Pflanzenstoffe machen Maca jedoch besonders interessant. Dazu gehören vor allem Senfölglykoside wie Glucotropaeolin, Imidazol-Alkaloide wie Lepidilin, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Macaene) und benzylierte Carbonsäureamide (Macamide). Diese einzigartigen Verbindungen kommen ausschließlich in Maca vor und werden für die spezifischen Wirkungen verantwortlich gemacht.

Aktuelle Studienlage und wissenschaftliche Bewertung

Die wissenschaftliche Forschung zu Maca zeigt ein uneinheitliches Bild. In einer peruanischen Studie mit Männern zwischen 24 und 44 Jahren führte die tägliche Einnahme von 1,5 bis 3 Gramm Maca über vier Monate zu Verbesserungen der Spermienqualität, einschließlich erhöhter Anzahl und besserer Beweglichkeit. Interessant war dabei, dass die Dosierung eine geringere Rolle spielte als die Dauer der Einnahme. Eine weitere Untersuchung mit 21 bis 56-jährigen Männern zeigte nach achtwöchiger Einnahme eine signifikante Steigerung des sexuellen Verlangens, ohne dass sich die Testosteronspiegel veränderten. Bei Frauen in den Wechseljahren berichteten Studien über Linderung typischer Beschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und sexuelle Unlust. Eine australische Studie mit 160 Frauen, die täglich 2000 Milligramm Maca über 16 Wochen einnahmen, zeigte verbesserte Hormonwerte und reduzierte Wechseljahresbeschwerden. Allerdings wurde ein Teil dieser Forschung von Maca-Herstellern gesponsert, was die Aussagekraft einschränkt.

Unterschiedliche Farbvarietäten und ihre Eigenschaften

Die verschiedenen Farbvarietäten von Maca zeigen möglicherweise unterschiedliche Wirkprofile. Gelbes Maca gilt als die häufigste Sorte und wird mit Energie und Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Rotes Maca soll besonders die Prostata- und Knochengesundheit unterstützen, während schwarzes Maca als die potenteste Variante zur Steigerung von Libido und Energie gilt. Studien zeigen, dass schwarzes Maca die positivsten Wirkungen auf Spermienzahl und Spermienbeweglichkeit aufweist. Rotes Maca hingegen führte in Tierversuchen zu reduzierten Prostatagewichten und konnte durch Testosteron verursachte Prostatavergrößerungen reduzieren, was auf Interaktionen mit Androgenen hindeutet.

Kritische Bewertung durch deutsche Behörden

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte 2007 eine kritische Stellungnahme zu macahaltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Die Behörde bemängelt, dass nur wenige wissenschaftliche Studien für eine gesundheitliche Bewertung vorliegen und systematische Untersuchungen fehlen. Besonders problematisch sieht das BfR die Beobachtungen aus Tierversuchen, die Wirkungen auf Geschlechtsorgane und den Hormonhaushalt zeigten. Diese könnten unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Da konkrete Belege für schädliche Wirkungen beim Menschen bisher fehlen, die Datenbasis jedoch unzureichend ist, kann keine unbedenkliche Verzehrsmenge abgeleitet werden.

Darreichungsformen und Dosierungsempfehlungen

Maca-Präparate sind als Pulver, Kapseln, Tabletten oder Extrakte erhältlich. Das Rohpulver wird durch Trocknung und Mahlung der Wurzel gewonnen und entspricht der traditionellen Zubereitung. Gelatiniertes Maca wurde schonend vorgekocht und eignet sich für Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt, ist jedoch weniger wirksam. Die empfohlenen Tagesdosierungen schwanken zwischen 400 bis 5000 Milligramm, meist jedoch zwischen 600 bis 2400 Milligramm täglich. Mikronährstoff-Experten empfehlen zwischen 1000 bis 2000 Milligramm Maca-Extrakt oder bis zu 3500 Milligramm Macapulver pro Tag. Da wissenschaftlich fundierte Dosierungsempfehlungen fehlen, sollte mit geringen Mengen begonnen und diese langsam gesteigert werden.

Mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen

Nebenwirkungen von Maca sind selten dokumentiert, können aber bei hohen Dosierungen auftreten. Personen, die Östrogen als Medikament einnehmen, sollten vorsichtig sein, da Maca auf den Östrogenspiegel wirken kann. Auch Menschen mit Schilddrüsenproblemen wird Vorsicht empfohlen, da Maca die Schilddrüsenaktivität beeinflussen könnte. Schwangere und stillende Frauen sollten auf Maca verzichten, da nicht genügend Forschung über die Sicherheit während dieser Phasen vorliegt. Die gleichzeitige Einnahme mit anderen Potenzmitteln wie Sildenafil oder Tadalafil sollte immer mit einem Arzt besprochen werden.

Anbau außerhalb der ursprünglichen Heimat

Mittlerweile wird Maca nicht mehr nur in Peru angebaut. In der chinesischen Provinz Yunnan erfolgt seit einigen Jahren industrieller Anbau und Verarbeitung. Lijiang ist das Zentrum des Anbaus, wo rund 100.000 Menschen mit der Produktion beschäftigt sind und 2014 für etwa 600 Millionen Euro Maca-Produkte herstellten. Sogar in deutschen Gärten lässt sich Maca anbauen. Die robuste Pflanze gedeiht auf humosen, nährstoffreichen Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten. Als Schwachzehrer benötigt sie kaum Dünger. Die Aussaat erfolgt im Mai, die süß-scharfen Rübchen können ab dem Spätsommer geerntet werden.

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