Tetrahydrocannabinol THC - Berauschend und medizinisch wirksam

Wenn es um die Hanfpflanze geht, fällt häufig der Begriff Tetrahydrocannabinol (THC). Der psychoaktive Wirkstoff ist der populärste Vertreter unter den Cannabinoiden.

Ehemals als Rauschmittel verstoßen, erlangt die Substanz in der Medizin zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche Beschwerden und Krankheiten könnten mit dem Cannabinoid behandelt werden. Erste zugelassene Arzneimittel existieren bereits.

Was ist Tetrahydrocannabinol (THC)?

Bei Tetrahydrocannabinol, abgekürzt THC, handelt es sich um den Hauptwirkstoff der Hanfpflanze. Das psychoaktive Cannabinoid fällt unter das Betäubungsmittelgesetz, da es berauschend wirkt. Die Entdeckung von Tetrahydrocannabinol wird auf das Jahr 1964 datiert. Zu diesem Zeitpunkt gelang es in Israel erstmals die Substanz zu isolieren.

Der höchste THC-Gehalt kann in unbefruchteten, weiblichen Blütenständen nachgewiesen werden (ca. 6-20 %). Die übrigen Pflanzenbestandteile kommen lediglich auf einen Wert von knapp einem Prozent. Die Pflanzensamen enthalten gar kein Tetrahydrocannabinol. Die Blätter, die sich nahe der Blüte befinden, trumpfen mit 5-6 % THC auf. Mit Blick auf die Hanfpflanze gibt es eine Besonderheit. Männliche Ausgaben haben im Vergleich zu weiblichen Pflanzen einen sehr reduzierten THC-Gehalt. Mithilfe von Lösungsmitteln kann die Substanz aus den Pflanzenbestandteilen herausgelöst werden.

TIPP: Gut zu wissen!

THC liegt in der Hanfpflanze vornehmlich als THC Säure vor. Durch Licht, Oxidation und Hitze wird ein Umwandlungsprozess angestoßen, wodurch THC entsteht.

Unterschiede zu anderen Cannabinoiden

THC kommt eine Sonderrolle unter den Cannabinoiden zu, denn es wirkt psychoaktiv. THC kann im Gegensatz zu anderen Cannabinoiden wie Cannabidiol (CBD) müde und schlapp machen. THC gilt als gut erforscht. Bei anderen Pflanzenauszügen fehlt es teilweise bis heute an einschlägigen Studien. Mehr über Cannabinoide lesen.

Wirkungsweise im Körper

THC macht sich das sogenannte Endocannabinoid-System zunutze. Dieses setzt sich aus Rezeptoren und Endocannabinoiden zusammen. Jeder Mensch und viele Tiere besitzen das Endocannabinoid-System, das durch körpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide) und synthetische oder pflanzliche Cannabinoide angesprochen werden kann.

Endocannabinoid-Rezeptoren

Die berühmte psychotrope Wirkung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Cannabinoiden und spezifischen Rezeptoren von Nervenzellen, die im Körper existieren. CB1-Rezeptoren und CB2-Rezeptoren nehmen dabei eine entscheidende Rolle ein. Nach der Theorie binden sich verschiedene Pflanzenbestandteile wie THC oder CBD an die körpereigenen Rezeptoren und aktivieren sie. Auf diese Weise stellen sich verschiedene Effekte im Organismus ein.

CB1- Rezeptoren

CB1-Rezeptoren können insbesondere im zentralen Nervensystem nachgewiesen werden. Dabei stehen solche Bereiche im Vordergrund, die in Verbindung mit kognitiven Fähigkeiten, Schmerz, Angst, Sinneswahrnehmung, endokrinen Funktionen und motorischer Koordination stehen. CB1-Rezeptoren befinden sich, wenn auch nur in geringen Anteilen, im Immunsystem und peripherem Nervensystem. Forscher entdeckten sie zudem in Herz, Hoden, Prostata, Gebärmutter, Knochenmark und Dünndarm.

Besonders interessant ist, dass die Verteilung der CB1-Rezeptoren unmittelbar mit den Effekten von THC im Zusammenhang zu scheinen steht. So führen Wissenschaftler die Wirkung auf die Erinnerung und Lernprozesse darauf zurück, dass entsprechende Rezeptoren im Gehirn existieren.

TIPP: Gut zu wissen!

THC bindet mit Vorliebe an den CB1-Rezeptor. Dieser ist auch für die psychoaktive Wirkung der Cannabisextrakte zuständig.

CB2-Rezeptoren

Der CB2-Rezeptor kann vornehmlich im zentralen Nervensystem und den peripheren Organen nachgewiesen werden.5 Eine besondere Rolle nimmt dieser Rezeptor scheinbar für das Immunsystem ein, da er vor allem in den B-Lymphozyten enthalten ist.

Es wird vermutet, dass der CB2-Rezeptor sich mit Cannabinoiden darum kümmert, Entzündungen in Schach zu halten. Daher könnte er für die körpereigene Abwehr von übergeordneter Bedeutung sein.

Weitere Rezeptoren, an denen THC bindet

CB1- und CB2-Rezeptoren haben in den letzten Jahren eine gewisse Popularität erlangt. Viele Interessierte kennen die Bezeichnung und die zugehörigen Aufgaben. Weniger bekannt sind andere Rezeptoren, die ebenfalls zu dem Endocannabinoid-System gehören.

5-HT1A-Rezeptoren: Dabei handelt es sich um Serotoninrezeptoren, die Bestandteil des zentralen Nervensystems sind. Sie stehen in Verbindung mit Appetit, Angst, Sucht, Schlaf, Schmerzwahrnehmung, Übelkeit und Erbrechen. CBD ist in der Lage, die Rezeptoren anzusprechen. Dadurch können sich angstlösende und antidepressive Wirkungen ergeben.

GPR55-Rezeptoren: Diese Rezeptoren sind in Gehirnregionen nachweisbar. Auch peripheres Gewebe kann die Bindungsstellen enthalten. Dadurch, dass sie im zentralen Nervengewebe enthalten sind, können sie verschiedene Effekte auslösen. Ihre Wirkung soll sich beispielsweise auf den Knochenstoffwechsel, entzündliche Schmerzen und Tumorzellen erstrecken. Sowohl CBD als auch THC kann mit diesen Rezeptoren interagieren.

GPR119-Rezeptor: seine spezifische Lokalisation gibt Hinweise darauf, dass der Rezeptor eine Rolle bei Adipositas und Diabetes spielen könnte.

Vanilloid-Rezeptoren: Diese Rezeptoren werden aktuell eingehend erforscht. Das mögliche Ziel könnte sein, mit einer gezielten Einflussnahme eine Schmerzreduzierung zu erreichen.

Wirkung auf den Körper - Einfluss auf Körperfunktionen

Experten sind sich einig, dass das Endocannabinoid-System wichtige Regulationsfunktionen im Körper übernimmt. Die einzelnen Rezeptoren können im Nervensystem und weiteren Geweben verschiedene Effekte hervorrufen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die Aktivierung der Rezeptoren auf Folgendes auswirken kann:

Schmerzen

Übelkeit

Erbrechen

Zellwachstum

Muskelkrämpfe

Appetit

Erinnerung

Lernprozesse

Entzündungen

Immunabwehr

Angst

Schlaf

Knochenstoffwechsel

Speichelsekretion

Regulation der Körperwärme

Nebenwirkungen

Viele vermuten, da es sich um einen natürlichen Extrakt handelt, könnten Nebenwirkungen vernachlässigt werden. Allerdings sollte sich vor dem Konsum der psychoaktiven Substanz mit den möglichen unerwünschten Begleiterscheinungen auseinandergesetzt werden. Mehr zu Cannabis Kontraindikationen lesen.

Akute Nebenwirkungen

Mit Blick auf THC kann es zu psychischen Nebenwirkungen kommen. Dann können folgende Effekte auftreten:

Sedierung

Euphorie

Gedrückte Stimmung

Gefühl von Kontrollverlust

Eingeschränkte Gedächtnisleistung

Verändertes Zeitgefühl

Halluzinationen

TIPP: Übrigens

Eine leichte Reduzierung der psychomotorischen Leistung kann bis zu 24 Stunden anhalten.

Neben den psychischen Nebenwirkungen gibt es auf physische Begleiterscheinungen. Dazu zählen Bewegungsstörungen, Herzrasen, trockenes Mundgefühl, Muskelschwäche, Blutdruckabfall im Stehen und Schwindel. In seltenen Fällen kann es zu Kopfschmerzen und Übelkeit kommen.

TIPP: Gut zu wissen!

Die akuten Nebenwirkungen nehmen in der Regel mit einer Dosierungssteigerung zu. In vielen Fällen verschwinden die unerwünschten Begleiterscheinungen bei regelmäßiger Einnahme.

Cannabis und Psychosen: Was ist dran?

Häufig wird das Thema Psychosen in Zusammenhang mit THC diskutiert. Untersuchungen deuten tatsächlich darauf hin, dass das Risiko für eine Psychose mit dem Konsum von Cannabis ansteigt. Genauer gesagt zeigt eine eingehende Metaanalyse, dass das Risiko für eine psychotische Störung auf einen Faktor von bis zu 2,09 erhöht werden kann. Aber nicht jeder Konsument entwickelt automatisch eine Psychose. Forscher vermuten, dass es bestimmte Risikofaktoren gibt, wie familiäre Vorbelastungen, die zur Entstehung beitragen.

TIPP: Gut zu wissen!

Studien legen den Verdacht nahe, dass CBD die psychotropen Wirkungen von THC abschwächen kann.

Langfristige Nebenwirkungen

Cannabis, dass zu Rauschzwecken konsumiert wird, kann zu einer Abhängigkeit führen. Dann kann es zu psychischen Symptomen und körperlichen Beschwerden kommen. Im Mittelpunkt stehen dabei Angst, Unruhe und Schlaflosigkeit sowie Durchfall. Bei therapeutischen Dosierungen ist das Abhängigkeitspotential gering. Entsprechende Entzugssymptome wurden von mit THC behandelten Patienten nicht angemerkt.

Eine langfristige Einnahme von Cannabinoiden könnte sich negativ auf die Geschlechtshormone auswirken. Das Risiko bei einer therapeutischen Dosierung stellt sich aber auch hier gering dar.

Therapeutisches Potential - bei welchen Erkrankungen kann THC hilfreich sein?

Medizinisches Cannabis besitzt ein breites Anwendungspotenzial. Das liegt vornehmlich an dem Inhaltsstoff THC. Medizinische Cannabispräparate finden in der Schweiz vorrangig bei folgenden Beschwerden Anwendung:

  • chronische Schmerzen, zum Beispiel im Zuge von Krebserkrankungen oder Neuropathie
  • Spastiken und Krämpfe, die durch Multiple Sklerose oder neurologische Erkrankungen ausgelöst werden
  • Übelkeit und Appetitverlust im Rahmen einer Chemotherapie

Studien geben Hinweise darauf, dass medizinisches Cannabis zudem bei folgenden Erkrankungen hilfreich sein könnte:

ADHS

Depressionen

Angststörungen

Asthma

Blasenkrämpfe

Arthrose

Colitis ulcerosa

Epilepsie

Fibromyalgie

Migräne

Reizdarm

Schuppenflechte

Schlafstörungen

TIPP: Gut zu wissen!

Bei medizinischem Cannabis mit dem Wirkstoff THC handelt es sich nicht um ein Wundermittel. Es gibt sogar Patienten, für die eine Verordnung nicht infrage kommt. Das ist der Fall, wenn schwerwiegende psychische Erkrankungen oder ein ernstzunehmendes Herzleiden bestehen.

THC im Blut, Urin und den Haaren - wie lange sind Stoffwechselprodukte nachweisbar?

THC ist lange nachweisbar. Die eingenommene Menge und die Häufigkeit des Konsums können einen Einfluss auf die Nachweisbarkeit von Tetrahydrocannabinol nehmen. Grundsätzlich kann THC im Blut, im Urin und in den Haaren aufgespürt werden.

Wie lange ist THC im Blut nachweisbar?

Im Blut lässt sich der psychoaktive Wirkstoff THC nur ca. 4-6 Stunden lang nachweisen. Es gibt aber die Möglichkeit, die THC-Carbonsäure zu messen. Das zugehörige Ergebnis kann so, sofern THC regelmäßig konsumiert wurde, über mehrere Wochen positiv sein.

Wie lange ist THC im Urin nachweisbar?

Ein Urintest, der sich auf die THC-Carbonsäure konzentriert, kann schnell und einfach durchgeführt werden. Ein regelmäßiger Konsum lässt so Rückschlüsse auf mehrere Wochen zu. Der einmalige Konsum führt zu einer Nachweisbarkeit von bis zu 36 Stunden.

Wie lange ist THC im Haar nachweisbar?

Auch in der Haarstruktur kann THC nachgewiesen werden. Allerdings ist diese Messung sehr störanfällig und führt nicht immer zu verlässlichen Testergebnissen. Erschwerend kommt hinzu, dass ausgewählte Shampoos mit Hanf sogar zu einem positiven Test führen können. Rein theoretisch kann THC bei einem 12 cm langem Haar ein Jahr nachgewiesen werden.

THC-haltige Produkte auf dem Markt

Es gibt eine große Bandbreite an THC-haltigen Präparaten auf dem Markt. Einige fallen unter das Betäubungsmittelgesetz, andere sind frei verkäuflich.

THC-Produkte, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen

Erzeugnisse, die zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden, enthalten eine erhöhte Menge an THC (über 1%). Da die Substanz psychoaktiv wirken kann, fällt sie unter das Betäubungsmittelgesetz und muss im Zuge dessen verschrieben werden. In der Schweiz ist aber nicht nur eine ärztliche Verordnung, sondern auch eine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit erforderlich. Ein Arzt, der eine Niederlassung in der Schweiz besitzt, kann seinen Patienten, die ebenfalls in der Schweiz ansässig sein müssen, ein entsprechendes Präparat verschreiben. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Indikation, zum Beispiel chronische Schmerzzustände oder Übelkeit sowie Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie.

Folgende verschreibungspflichtige THC-Produkte sind in der Schweiz erhältlich:

THC-Produkte, die nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen

Es gibt freiverkäufliche Präparate mit THC. Sie fallen unter die Nahrungsergänzungsmittel. Voraussetzung dafür ist, dass sie weniger als 1% THC enthalten. Dabei handelt es sich vornehmlich um Ergänzungsmittel, die auf CBD setzen. THC stellt dabei nur eine untergeordnete Substanz dar.

In der Schweiz sind folgende Erzeugnisse erhältlich:

CBD Kapseln mit THC (unter 1%)

CBD Pulver mit THC (unter 1%)

CBD Öl mit THC (unter 1%)

CBD Lösungen für Vaporizer (unter 1%)

FAQ - Fragen und Antworten rund um THC
Macht THC high?

Bei THC handelt es sich um einen psychoaktiven Wirkstoff. Das bedeutet, dass er als Rauschsubstanz dienen kann. Therapeutische Mengen sorgen aber nicht für einen vergleichbaren Effekt. Trotzdem kann es in der Anfangszeit zu Begleiterscheinungen kommen, die sich auf die Psyche auswirken. Die unerwünschten Nebenwirkungen wie Schwindel oder verändertes Zeitgefühl sind aber eher selten und verschwinden bei einer regelmäßigen Einnahme.

Sind THC-Produkte legal?

Dabei kommt es auf den THC-Gehalt an. Produkte, die unter einem Prozent THC enthalten, sind in der Schweiz frei verkäuflich. Ein Rezept ist dafür nicht notwendig. Medizinisches Cannabis, dass einen deutlich höheren THC-Anteil aufweist, muss ärztlich verordnet werden. Zudem ist eine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit erforderlich.

Bei welchen Beschwerden kann THC verordnet werden?

THC kann durch die Bindung an körpereigene Rezeptoren verschiedene Effekte hervorrufen. Das machen sich medizinische Erzeugnisse zunutze. Sie werden bei ausreichender Indikation insbesondere Schmerzpatienten verschrieben. Zudem können Personen, die sich einer Chemotherapie unterziehen und infolgedessen an Übelkeit und Erbrechen leiden, von THC-haltigen Präparaten profitieren. Das Gleiche gilt für Menschen, bei denen Spastiken und Krämpfe durch neurologische Erkrankungen auftreten.