Dronabinol (Tetrahydrocannabinol) aus der Hanfpflanze

Dronabinol ist der internationale Freiname für Tetrahydrocannabinol (THC) bzw. die genaue Verbindung Delta-9-Tetrahydrocannabinol (Δ9-THC). Bei der Substanz handelt es sich um einen Wirkstoff, der aus der Hanfpflanze gewonnen werden kann, jedoch meistens teilsynthetisch aus CBD oder vollsynthetisch aus Flechten und Zitrusfrüchten hergestellt wird.

Allerdings wirkt THC im Gegensatz zu CBD psychoaktiv. Dronabinol wird zunehmend in der Medizin eingesetzt. In der Schweiz sind dafür eine ärztliche Verordnung und eine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit erforderlich.

Apotheken geben die Substanz in verarbeiteter Form heraus, um unter anderem Schmerzen, Spastik, Übelkeit und Appetitlosigkeit behandeln zu können.

Wirkstoff Dronabinol

Wenn es um die Hanfpflanze geht, wird häufig von dem Wirkstoff Dronabinol gesprochen. Die psychoaktive Substanz ist durch eine Vielzahl von Studien in den letzten Jahren zunehmend in den Mittelpunkt gerückt.

Dort zeigte sich, dass Dronabinol appetitstimulierende, schmerzlindernde, entzündungshemmende, muskelentspannende und dämpfende Effekte hervorrufen kann. Zudem scheint es gegen Übelkeit zu helfen, was sich im Zuge der Chemotherapie als hilfreich erweisen kann.

Rein optisch stellt sich Dronabinol harzig, klebrig und leicht gelblich dar. Mit Blick auf die Struktur und die Eigenschaften fällt auf, dass der natürliche Extrakt aus der Hanfpflanze Cannabis sativa L. in Wasser unlöslich ist. Das liegt daran, dass die Substanz vornehmlich fetthaltige Substanzen zum Lösen bevorzugt. Aus diesem Grund wird bei der Verarbeitung auf Sesamöl oder mittelkettige Triglyceride gesetzt.

Produkt-Portrait Dronabinol-Lösung

KategorieEigenschaft
Bezeichnung

Dronabinol-Lösung 2.5% (NRF 22.8.)

Inhaltsstoffe

Reines Dronabinol (THC) in Neutralöl (Miglyol 812), Konservierungsmittel Ascorbylpalmitat (0.05%)

Farbe

Ölige Substanz, die sich transparent bis leicht gelblich und flüssig darstellt. Rosa bis violette Einfärbung kann gegeben sein

Geruch

Geruchsneutral

Geschmack

Geschmacksneutral

Haltbarkeit

Das Produkt ist ab Herstellungsdatum 6 Monate haltbar

Aufbewahrung

Bei Raumtemperatur und lichtgeschützt aufzubewahren

Quellenangaben: https://panakeia.ch/fileadmin/user_upload/Downloads/Cannabis/1_Kompendium__Cannabispraeparate_.pdf

Wirkung/Wirkmechanismus von Dronabinol

Die Wirkung von Dronabinol wird im Zusammenhang mit dem sogenannten Endocannabinoid-System gebracht, über das jeder Mensch verfügt. Das System übernimmt wichtige Regulationsmechanismen im Körper. Auch wenn bis heute nicht vollständig geklärt ist, welche Effekte von dem Endocannabinoid-System ausgehen, konnten Wissenschaftler bereits wichtige Erkenntnisse gewinnen. So wurde festgestellt, dass die Motivation, die Appetitregelung und kognitive Prozesse sowie das Immunsystem mit dem Endocannabinoid-System in Verbindung stehen.

Dafür setzt der Körper CB-Rezeptoren ein. CB1 Rezeptoren konnten vornehmlich im zentralen und peripheren Nervensystem nachgewiesen werden. Sie sind an der Schmerzverarbeitung und Bewegungskoordination beteiligt. Zudem nehmen sie Einfluss auf das Belohnungsgefühl und den Appetit. Der CB1 Rezeptor steht auch in Zusammenhang mit Übelkeit und Erbrechen.

Der CB2 Rezeptor ist hingegen von Bedeutung, wenn es um degenerative und entzündliche Erkrankungen geht. Er kann scheinbar Einfluss auf das Immunsystem nehmen, indem er die Zytokine (Entzündungsbotenstoffe) reguliert.

Die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems können sowohl durch körpereigene Cannabinoide (Endocannabinoide) und von außen zugeführte Cannabinoide, zum Beispiel Dronabinol, angesprochen werden. Durch die Interaktion mit den Rezeptoren soll es gelingen, die vielfältigen Wirkungen hervorzurufen.

TIPP: Gut zu wissen!

Da die Bioverfügbarkeit von oral zu verabreichendem Dronabinol auf nüchternem Magen besser beurteilt wird, sollten Patienten die Substanz direkt vor einer Mahlzeit aufnehmen.

Anwendungsgebiete

Schweizer Bürger haben die Möglichkeit, von den Eigenschaften des Hanfauszugs zu profitieren. Voraussetzung dafür, ist eine ärztliche Verordnung. Patienten können sich eine entsprechende Lösung verschreiben lassen, wenn sie unter Folgendem leiden:

Schmerzen

Spastik (zum Beispiel bei Multiple Sklerose)

Appetitlosigkeit und Übelkeit (infolge schwerer Erkrankungen oder Therapien)

Neurologische Erkrankungen (Restless-Legs-Syndrom, Tourette-Syndrom, Tics, Dyskinesien, Tremor)

Glaukom

Um die entsprechende Dronabinol-Zubereitung erhalten zu können, muss zudem eine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit vorliegen. Schließlich fällt die Substanz unter die Betäubungsmittel.

Hinweise für die Anwendung

Bevor ein Patient Dronabinol verordnet bekommt, muss eine eingehende Diagnose und Abschätzung der möglichen Behandlungsvorteile erfolgen. Danach ermittelt der Mediziner eine individuelle Dosierung. In der Regel wird Dronabinol oral eingenommen. Zudem gibt es alkoholische Lösungen, die inhaliert werden können. Der Vorteil der öligen Tropfen ist, dass sie geruchs- und geschmacksneutral sind.

Das entsprechende Produkt kann zur besseren Aufnahme auf ein Stück Brot oder in einen Joghurt gegeben werden. Eine Verdünnung mit Tee oder Wasser gelingt nicht, da die Substanz nicht wasserlöslich ist.

Cannabis, das zum Rauchen bereitgestellt wird, fällt noch immer unter die illegalen Drogen. Zur Therapie ist diese Anwendungsform nicht zu empfehlen. Schließlich kann es durch das Rauchen zu vielfältigen gesundheitlichen Belastungen kommen. So kann sich das kardiovaskuläre und respiratorische (die Atmung betreffende) System belastet zeigen. Mögliche Folgen sind Krebserkrankungen, Herzrasen und niedriger Blutdruck.

TIPP: Gut zu wissen!

Sofern Dronabinol eingenommen wird, um den Appetit anzuregen, sollte die Aufnahme vor einer Mahlzeit erfolgen.

Dosierung/Einnahmehinweise

Dronabinol wird stets individuell dosiert. Der behandelnde Mediziner legt die Dosis aufgrund der vorliegenden Problematik und persönlichen Patientenfaktoren fest. Üblicherweise wird mit einer Anfangsdosierung von 2,5 mg oral gestartet. Diese geringe Dosierung stellt sich als gut verträglich dar. Zudem nehmen Patienten normalerweise keine psychotropen Effekte wahr. Ob eine weitere Steigerung notwendig ist, hängt von den Beschwerden und von den therapeutischen Zielen ab.

Dabei empfiehlt sich eine Splittung der Dosierung auf 2-3 Dosen. Um unerwünschte Begleiterscheinungen möglichst zu vermeiden, ist es ratsam, die Reaktion des Patienten bei einer Dosierungsänderung engmaschig zu kontrollieren.

Wirkeintritt

Die Wirkung wird darauf zurückgeführt, dass die Substanz an die Cannabinoid-Rezeptoren (CB) anknüpft. Etwa nach 30-120 Minuten kann die Wirkung eintreten. Die psychotropen Effekte setzen sich über einen Zeitraum von 4-6 Stunden frei. Die appetitanregenden Eigenschaften können bis zu 24 Stunden anhalten.

Nebenwirkungen von Dronabinol (THC)

Der natürliche Extrakt aus der Hanfpflanze Dronabinol kann zu Nebenwirkungen führen. Zu den akuten unerwünschten Begleiterscheinungen zählen Mundtrockenheit, gerötete Augen und Tachykardie (Herzrasen). Auch der Blutdruck kann sich beeinträchtigt zeigen. In dem Fall macht sich ein ungewöhnlich niedriger Blutdruck bemerkbar, der sich beim Aufstehen aus einer sitzenden oder liegenden Position ergibt.

THC kann auch Einfluss auf den Appetit, die Stimmung und das Zeitgefühl nehmen. Seltener kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Verwirrtheit, Schläfrigkeit und Halluzination. Die Dosis nimmt bei diesen unerwünschten Begleiterscheinungen eine zentrale Rolle ein. Häufig nehmen die Beschwerden mit einer steigenden Dosierung zu. Wird die Substanz regelmäßig angewendet, verschwinden viele Nebenwirkungen wieder.

Wechselwirkungen/Interaktionen

Cannabinoide sind in der Lage, mit Sympathomimetika (bronchienerweiternde Wirkstoffe) und Anticholinergika (verordnet bei überaktiver Blase und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung) zu interagieren. Dann kann es zu einem Blutdruckanstieg oder einem stark beschleunigten Herzschlag kommen. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Cannabinoide mit beruhigenden Substanzen zu einer verstärkten Depression beitragen. Nicht zuletzt kann Dronabinol andere Medikamente aus ihrer Proteinbindung vertreiben. Das liegt daran, dass die Substanz eine starke Affinität zu Plasmaproteinen aufweist.

Kontraindikationen

Dronabinol eignet sich nicht für jeden Patienten (Kontraindikationen). Folgendes spricht gegen eine Verordnung:

Allergie oder Überempfindlichkeit gegen THC

Schwangerschaft und Stillzeit (keine ausreichende Informationslage)

Psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie, Angststörungen, Panikattacken, bipolare Störungen, endogene Depressionen

Vorliegende koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörung, Herzinfarkt, Angina pectoris

Ein nicht therapierter Bluthochdruck

Patienten, die unter 18 Jahre alt sind

Abhängigkeit/Suchtpotential von Dronabinol

Medizinisches Cannabis wird mit einem geringen Abhängigkeits- bzw. Suchtpotenzial in Verbindung gebracht. Bei einer therapeutischen Dosierung können psychische und körperliche Eventualitäten mit Blick auf die Abhängigkeit vernachlässigt werden.

Dronabinol: Hinweise für Patienten

Dronabinol kann die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Das liegt daran, dass die Reaktionsfähigkeit unter der Einnahme eingeschränkter sein kann. Das spiegelt sich vor allem in der Phase der Dosierungsfindung wider.

Daher wird Patienten dazu geraten, bei jeder Dosierungsanpassung, die nach oben erfolgt, das Auto stehen zu lassen. Selbst 12 Stunden im Anschluss an die Einnahme kann sich die Fahrtüchtigkeit beeinflusst zeigen.

Zudem sollte Dronabinol beim Führen eines Fahrzeugs keinesfalls mit Alkohol kombiniert werden. Patienten sollten ihr Fahrvermögen selbstkritisch hinterfragen und sicherheitshalber das Auto stehen lassen, wenn sie sich beeinträchtigt fühlen.

Wer Zubereitungen mit Dronabinol einnimmt, muss bei der Reise ins Ausland einiges beachten. Reisende sollten sich zuvor beim Konsulat oder der Botschaft erkundigen, welche Rechtslage im jeweiligen Land greift. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine beglaubigte Kopie der Verordnung mitzuführen. Darauf sollte die notwendige Dosis vermerkt sein.

Dronabinol: Hinweise für Ärzte

Patienten mit ausgewählten Indikationen können von THC-haltigen Zubereitungen profitieren. Zuvor sollte eine eingehende Anamnese durchgeführt werden, um das Nutzen-Risiko-Verhältnis abschätzen zu können. Insbesondere psychiatrische Grunderkrankungen sollten vor der Verschreibung genau analysiert werden. Zudem kann es eine Kontraindikation darstellen, wenn der Patient eine Suchtvergangenheit hat. Damit der Betroffene das Arzneimittel in der Apotheke erhält, muss zu der ärztlichen Verordnung auch eine Ausnahmebewilligung des Bundesamtes für Gesundheit vorliegen. THC kann nur durch Ärzte verschrieben werden, die ihre Niederlassung in der Schweiz haben und berechtigterweise ihrem Beruf in dem Land nachgehen. Der Patient muss darüber hinaus in der Schweiz wohnhaft sein. Die Dosierung wird von Ärzten individuell festgelegt und sollte anfangs engmaschig kontrolliert werden.

Die in der Tabelle aufgeführten Dosierungen können als Orientierungshilfe dienen:

IndikationNiedrige AnfangsdosisHohe Anfangsdosis Wirkdosis (Mittelwert)

Appetitlosigkeit, Abmagerung, Spastik, chronischer Schmerz

3 x 1 Tr. (3 x 0.55mg)/d

2 x 2 Tr. (4 x 0.55mg)/d

5-20 (-30) mg/d

Quellenangaben: -

IndikationAnfangsdosisWirkdosis (Mittelwert) Maximale Tagesdosis

Übelkeit, Erbrechen

5-10mg (Obergrenze 5–7 mg/m2 KOF*) 2-3 h vor Chemotherapie sowie alle 4-6h (3-4 Dosen) über 24h

30 mg/m2 KOF* täglich

90 mg/m2 KOF* täglich

Da Dronabinol Wechselwirkungen hervorrufen kann, sollte vor der Verordnung der Medikamentenplan genau studiert werden. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte die Dosis sukzessive erhöht werden. Stellt sich eine Unverträglichkeit dar, kann die Menge herabgesetzt werden.

Erfahrungen

Im Internet gibt es viele Foren, in denen sich Menschen über die Wirkung von THC-haltigen Zubereitungen austauschen. Häufig leiden Betroffene unter Spastiken, chronischen Schmerzzuständen und neurogenerativen Erkrankungen. Erfahrungsberichten zufolge können entsprechende Zubereitungen dabei helfen, vereinzelte Beschwerden abzumildern. Im Vordergrund stehen dabei die schmerzlindernden Eigenschaften von Dronabinol. MS- und Migräne-Patienten berichten darüber, dass die Substanz Schmerzspitzen nehmen kann.

FAQ - Fragen und Antworten rund um Dronabinol
Was ist Dronabinol?

Bei Dronabinol handelt es sich um einen natürlichen Extrakt aus der Hanfpflanze. Die Substanz wird auch als Tetrahydrocannabinol (THC) bezeichnet. Im Gegensatz zu dem bekannten Cannabinoid CBD geht Dronabinol mit einer psychoaktiven Wirkung einher.

Dürfen Schwangere oder Stillende Dronabinol einnehmen?

In Bezug auf diese Patientengruppe gibt es noch zu wenig Erkenntnisse. Daher wird Schwangeren und Stillenden geraten, verschreibungspflichtige THC-Produkte nicht einzunehmen.

Wie wirkt Dronabinol?

Forscher gehen davon aus, dass Dronabinol mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System in Verbindung tritt, indem es sich an die zugehörigen Rezeptoren bindet. Dadurch soll es zu schmerzlindernden, appetitanregenden, entzündungshemmenden, muskelentspannenden und dämpfenden Effekten kommen. Auch bei Übelkeit und Erbrechen soll sich die Substanz bewähren.