Suchtgefahr durch Cannabis - macht Cannabis abhängig?

Die Hanfpflanze wird bereits seit Jahrtausenden eingesetzt, um Beschwerden und Krankheiten zu lindern. Zudem werden die Pflanzenbestandteile verwendet, um einen Rauschzustand hervorzurufen.

Daran schließt sich automatisch die Frage an, welche Kurz- und Langzeitfolgen der Konsum von Cannabis hat. Darüber hinaus ist interessant, ob die darin enthaltenen Wirkstoffe ein Abhängigkeitspotenzial besitzen.

Neben Cannabis als Rauschmittel werden auch Cannabisextrakte zu medizinischen Zwecken immer populärer. Auch dabei könnte ein gewisser Suchtfaktor angenommen werden.

Wie wird Cannabis konsumiert?

Cannabis stellt die am häufigsten verwendete illegale Substanz in der Schweiz dar. Etwa 4 % der Bevölkerung machen von den berauschenden Wirkstoffen Gebrauch. Für die psychoaktive Wirkung wird Tetrahydrocannabinol (THC) verantwortlich gemacht. Am häufigsten wird Cannabis geraucht. Das gelingt mithilfe von Joints, wobei die Pflanzenbestandteile oft mit Tabak vermischt werden. Der Cannabis- Rauch kann ebenfalls mit Pfeifen, Shisha, Chillum oder Bong inhaliert werden. Alternativ lassen sich die Wirkstoffe mit einem Vaporizer verdampfen. Seltener wird Cannabis in Form von Keksen gegessen oder Getränke, wie ein Kakao, damit hergestellt.

Veränderungen im THC-Gehalt

Mit Blick auf den Wirkstoffgehalt in Cannabispflanzen findet ein Wandel statt. Alleine zwischen den Jahren 2006 und 2016 haben sich die Werte verdoppelt. Das belegt eine Studie, die Daten aus 28 Mitgliedstaaten der EU analysiert hat. Genauer gesagt geht es um den psychoaktiven Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC). In nur einem Jahrzehnt stieg der Gehalt in der Cannabispflanze von 5 auf über 10 % an. Forscher erklären das damit, dass der Anbau sich in Europa und den Nachbarländern auf Pflanzensorten konzentriert, die THC in hohen Mengen vereinen. Zudem konnte festgestellt werden, dass die neuen Sorten zwar mehr THC aufweisen, aber weniger Cannabidiol (CBD). Das kann sich nachhaltig auf den Konsumenten auswirken. Schließlich wirkt CBD nicht psychoaktiv und soll die Wirkung von THC abschwächen. Im Ergebnis könnte sich der Anwender durch das neue THC-CBD-Verhältnis also noch berauschter fühlen.

Kurz- und Langzeitfolgen vom Cannabiskonsum

Wer Cannabis konsumiert, muss mit kurzfristigen und langfristigen Folgen rechnen. Diese beziehen sich sowohl auf die Psyche als auch auf den Körper. Während die körperlichen Folgen vor allem langfristig erfolgen, können sich psychische Folgen bereits zeitnah bemerkbar machen.

Körperliche Folgen

Viele Konsumenten kombinieren Tabak mit Cannabis. Dadurch setzen sich die Anwender automatisch dem gesundheitsschädlichen Potenzial aus, das mit Tabak in Verbindung steht. So kann ein lang anhaltender Konsum zu Atemwegserkrankungen wie einer chronischen Bronchitis, Kurzatmigkeit oder chronischem Husten führen. Aber auch ohne Zugabe von Tabak geht von Kiffen eine Gefahr aus. Bei dem Verbrennungsprozess wird nämlich Teer freigesetzt. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei dem Konsum Pestizide oder andere Zusatzstoffe wie Blei aufgenommen werden.

Es existieren Hinweise, die darauf hindeuten, dass das Rauchen von Cannabis Zellveränderungen begünstigen kann. Diese wiederum sind typisch für die Entstehung von Krebs. Allerdings ist die Forschungslage bis heute nicht eindeutig. Tierversuche haben zudem darauf hingewiesen, dass der Konsum von Cannabis das Immunsystem schwächen kann. Inwieweit das auf den Menschen übertragbar ist, bleibt bisher unklar. Cannabis kann scheinbar die Fruchtbarkeit beeinflussen. Bei Frauen wurde ein veränderter Menstruationszyklus und bei Männern ein beeinträchtigter Testosteronspiegel beobachtet.

Psychische Folgen

Auszüge aus der Hanfpflanze können die Denkfähigkeit beeinträchtigen. Insbesondere über einen längeren Zeitraum konsumiert, kann sich die Gedächtnisleistung, die Aufmerksamkeit und die Lernfähigkeit verschlechtern. Häufig wird zudem diskutiert, ob Cannabis zu einer Psychose führen kann. Fest steht, dass der starke Substanzmissbrauch psychotische Symptome auslösen kann. Mit Blick auf eine Cannabis-Psychose ist der Zusammenhang aber noch nicht belegt. Zwar kann beobachtet werden, dass Konsumenten im Vergleich häufiger an psychischen Problemen wie Depressionen und Angsterkrankungen leiden, ob diese als Folge des Cannabiskonsums angesehen werden können, bleibt allerdings fraglich. Schließlich ist es auch möglich, dass Menschen mit psychischen Problemen häufiger zu Cannabis greifen, um ihre Beschwerden zu lindern. Unbestritten ist aber, dass Cannabis den Ausbruch von Psychosen begünstigen kann, wenn entsprechende Risikofaktoren (z.B. eine Veranlagung) vorliegen. Zudem können sich psychische Probleme durch die Verwendung von den Pflanzenbestandteilen verschlechtern. Langanhaltender und intensiver Cannabiskonsum kann dazu führen, dass sich Betroffene aus dem sozialen Leben zurückziehen. Die Aufgaben im Alltag werden dann häufig vernachlässigt. Allerdings stellt Cannabis nicht den einzigen Auslöser dar. Vielmehr scheint es Person zu betreffen, die von vornherein einen demotivierten Gemütszustand besitzen.

Steigt das Selbstmordrisiko mit dem Cannabiskonsum an?

Es gibt verschiedene Studien, die darauf hindeuten, dass das Selbstmordrisiko mit dem Konsum von Cannabis tatsächlich ansteigt. Scheinbar ist es ähnlich zu bewerten wie bei dem Missbrauch von Alkohol.

Kurz- und Langzeitfolgen im Überblick

Kurzfristige (mögliche) Folgen:

verändertes Zeitgefühl

Gefühl von Kontrollverlust

Angst

Panik

Halluzinationen

verminderte psychomotorische Leistungsfähigkeit

reduzierte Denk- und Erinnerungsfähigkeit

Müdigkeit

Schwindel

Herzrasen

gesteigerter Appetit

Blutdruckabfall

Mundtrockenheit

Kopfschmerzen

Übelkeit

Langfristige (mögliche) Folgen:

Toleranzbildung

Abhängigkeit

Begünstigung von psychischen Erkrankungen

Rückzug aus dem Alltag

Was ist Cannabis-Missbrauch?

Wer Cannabis missbräuchlich verwendet, kifft aus Langeweile oder möchte sich mit der Substanz von Problemen ablenken. Ein Cannabis-Missbrauch liegt zudem vor, wenn die Substanz aufgenommen wird, obwohl zusätzliche Risiken bestehen. Der Cannabiskonsum in Verbindung mit Autofahren oder einem Schulbesuch fällt beispielsweise unter den Begriff „Cannabis-Missbrauch“.

Wann spricht man von einer Abhängigkeit?

Die Diagnose „Cannabis-Abhängigkeit“ wird dann gestellt, wenn psychische und körperliche Merkmale auf ein Suchtverhalten hinweisen. Der Konsument fühlt sich gezwungen, die Substanz wiederholt einzunehmen, um die gewünschten Effekte hervorrufen zu können.

Symptome einer Abhängigkeit

Mit Blick auf die Abhängigkeit stehen die psychischen Symptome im Vordergrund. Allem voran der dringliche Wunsch, Cannabis einzunehmen. Zudem hat der Betroffene Schwierigkeiten damit, den Konsum unter Kontrolle zu bringen. Er konsumiert weiter, obwohl ihm schädliche Folgen und Risiken bewusst sind. Darüber hinaus wird dem Substanzgebrauch eine übergeordnete Rolle eingeräumt. Aktivitäten und Verpflichtungen müssen hinten anstehen. Auch wenn psychische Abhängigkeitssymptome bei der Diagnose vorrangig beurteilt werden, kann sich die Cannabis-Abhängigkeit auch körperlich bemerkbar machen. Hier ist vor allem eine Toleranzbildung zu nennen. Der Konsument benötigt also eine immer größere Menge, um die gleiche Wirkung zu erreichen. Nicht zuletzt kann ein körperliches Entzugssyndrom auftreten.

TIPP: Entzugssyndrom

Ein körperliches Entzugssyndrom macht sich durch verschiedene Symptome bemerkbar. Dazu zählen Schlaflosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, vermehrtes Schwitzen oder Durchfall.

Suchtgefahr bei medizinischem Cannabis

Cannabis auf Rezept wird anders beurteilt als Cannabis, dass zu Rauschzecken geraucht wird. Medizinisches Cannabis wird durch einen Arzt verordnet und fällt damit unter die Cannabis-Arzneimittel. Hanf in der Medizin kommt eine immer größere Bedeutung zu, da es bei zahlreichen Erkrankungen, insbesondere denen die in Verbindung mit chronischen Schmerzzuständen stehen, Linderung verschaffen soll. Experten gehen davon aus, dass Medizinalhanf, auch als Medical Cannabis bezeichnet, nur mit einem sehr geringen Suchtpotenzial einhergeht. Das wird darauf zurückgeführt, dass medizinisches Cannabis nur in einer geringen Dosierung verabreicht wird. Zudem wird die Menge nicht im Verlauf der Therapie ständig gesteigert. Ein Vergleich zwischen Gewohnheitskonsumenten und Patienten, die medizinisches Cannabis zur Behandlung einsetzen, ist daher kaum möglich.

Prävention und Behandlung einer Cannabisabhängigkeit

Präventive Ansätze sollen verhindern, dass es überhaupt zu einer Cannabis-Abhängigkeit kommt. Dabei nehmen beratende und informationsvermittelnde Angebote eine wichtige Rolle ein. In der Schweiz können sich Betroffene oder Angehörige Hilfe per Telefon oder Online holen. Dabei sind vor allem https://www.suchtschweiz.ch/rat-und-hilfe/ und https://www.tschau.ch/zu nennen. Zudem gibt es eine Koordinations- und Fachstelle vom Bundesrat für Gesundheit (BAG). Unter: www.infodrog.ch/de/hilfe-finden/suchtindex.html können Interessierte eine Datenbank einsehen. Dort sind ambulante, stationäre, teilstationäre und niederschwellige Angebote verzeichnet. Sie alle beziehen sich auf die schweizerische Suchthilfe.

Zudem gibt es unterschiedliche Präventionsprogramme, die in den jeweiligen Kantonen angeboten werden.

Behandlung einer Cannabisabhängigkeit

Besteht eine Cannabisabhängigkeit, können verschiedene therapeutische Maßnahmen getroffen werden. Besonders erfolgversprechend sind verhaltenstherapeutische Ansätze. Zudem können motivierende Gesprächsführungen sinnvoll sein. Bei Jugendlichen, die häufig in Kontakt mit Cannabis kommen, bietet es sich an, das soziale Umfeld mit einzubeziehen.2 Es sollte also hinterfragt werden, ob womöglich Faktoren bestehen, die den Missbrauch begünstigen. Falls das der Fall ist, ist es sinnvoll, diese Störfaktoren zu beseitigen.

Fragen und Antworten rund um die Suchtgefahr von Cannabis
Welche Folgen kann der Cannabiskonsum haben?

Mediziner unterscheiden körperliche und psychische Folgen bei dem Konsum von Cannabis. Entsprechendes Pflanzenmaterial kann vorübergehende Effekte auslösen. Dazu zählen Angstgefühle, Panik, Missstimmung und Halluzinationen. Die langfristigen Folgen auf die Psyche machen sich beispielsweise in einem Rückzug aus der Gesellschaft bemerkbar. Körperliche Folgen können Atemwegserkrankungen, ein geschwächtes Immunsystem und eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit sein.

Macht medizinisches Cannabis abhängig?

Im Gegensatz zu Cannabis, das zu Rauschzwecken konsumiert wird, geht von Medizinhanf nur eine geringe Suchtgefahr aus. Experten führen das darauf zurück, dass die Dosierung gering und gleichbleibend ist.

Ist bei einer Cannabisabhängigkeit eine Entgiftung notwendig?

In der Regel ist eine Entgiftung nicht nötig. Allerdings kann sie sich anbieten, wenn der Betroffene unter einer starken Abhängigkeit leidet.

Kann Cannabis körperlich abhängig machen?

Zwar stehen mit Blick auf eine Abhängigkeit psychische Symptome im Vordergrund, Cannabis kann grundsätzlich aber auch körperlich abhängig machen. Betroffene bemerken dann spezifische Beschwerden, wenn das Suchtmittel nicht konsumiert wird. So ist es möglich, dass Schlaflosigkeit, Unruhe, Reizbarkeit, Appetitlosigkeit, vermehrtes Schwitzen oder Durchfall auftreten.

Wohin können sich Betroffene und Angehörige wenden?

Besteht der Verdacht einer Cannabis-Abhängigkeit gibt es verschiedene Beratungsstellen, Informationen und Hilfen, die zur Verfügung stehen. Auf www.infodrog.ch/de/hilfe-finden/suchtindex.html können Hilfsangebote in der Nähe ausfindig gemacht werden.