Cannabis Nebenwirkungen

Es gibt verschiedene Beschwerden und Krankheiten, bei denen medizinisches Cannabis in Erwägung gezogen werden kann. Auch wenn es sich um natürliche Extrakte handelt, können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Zudem gibt es einige Kontraindikationen. Das bedeutet, dass der Einsatz nicht für jeden Menschen infrage kommt.

Wir verraten, welche Personengruppen für eine Cannabistherapie eher ungeeignet sind. Darüber hinaus geben wir wichtige Hinweise für Autofahrer und Reisende.

Medizinisches Cannabis: Nebenwirkungen

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung? Nicht ganz, denn die Extrakte aus der Hanfpflanze werden in der Regel gut vertragen. Trotzdem kann es zu unerwünschten Wirkungen während der Cannabistherapie kommen.

Dabei spielen die Verabreichungsform und die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe eine Rolle. Das gilt sowohl für Cannabis selbst als auch für cannabishaltige Arzneimittel. Forscher unterscheiden dabei akute und andauernde unerwünschte Begleiterscheinungen, die sich insbesondere auf die Psyche und das zentrale Nervensystem konzentrieren.

Betroffene können während der Therapie beispielsweise unter Schwindel, Müdigkeit oder Übelkeit leiden. Bei schwer erkrankten Menschen ist besondere Vorsicht geboten, da dadurch die Sturzgefahr erhöht werden kann.

Studien zeigen, dass die Cannabinoide aus der Cannabispflanze zu einer Absenkung des Blutdrucks führen können. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dabei insbesondere das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC) im Blick. Aber auch CBD wird eine blutdrucksenkende Wirkung nachgesagt.

Für Menschen mit einem hohen Blutdruck ist diese potentielle Nebenwirkung wünschenswert. Personen, die von Natur aus einen niedrigen Blutdruck besitzen, haben jedoch kein Interesse daran, dass ihre Werte weiter absacken. Nicht zuletzt kann der Konsum von Cannabinoiden Mundtrockenheit hervorrufen.

Nebenwirkungen auf die Psyche

Medizinisches Cannabis kann sich durch das enthaltene THC auf die Psyche auswirken. Als Nebenwirkungen werden Angst- und Panikgefühle beschrieben.Außerdem können sich Verwirrtheit und Störungen des Kurzzeitgedächtnisses bemerkbar machen.

Zudem kann sich die Wahrnehmung ändern und die Konsumenten können sehr redselig werden. Die psychischen Begleiterscheinungen werden vor allem bei THC-reichen Präparaten beobachtet.

CBD ist ein weiteres Cannabinoid aus der Cannabispflanze. Die Substanz geht nicht mit berauschenden Effekten einher. Daher ist auch nicht mit psychoaktiven Nebenwirkungen zu rechnen. Allerdings werden in der Medizin häufig Präparate bevorzugt, die sowohl THC als auch CBD enthalten.

Nebenwirkungen von medizinischem Cannabis im Überblick

Schwindel

Müdigkeit

Übelkeit

niedriger Blutdruck

Angst- und Panikgefühle

Verwirrtheit

Störung des Kurzzeitgedächtnisses (Filmriss)

Redseliges Verhalten

Mundtrockenheit

Abhängigkeiten - ja oder nein?

Cannabis besitzt durchaus ein Suchtpotenzial. Schätzungen zufolge werden rund 10 % der Konsumenten abhängig. Diese Zahlen beziehen sich allerdings auf Menschen, die Cannabis einsetzen, um eine Rauschwirkung zu erzielen (Kiffen).

Patienten, die Cannabinoide zur Linderung konsumieren und Menschen, die ausschließlich die berauschenden Effekte im Blick haben, können aber kaum verglichen werden. Schließlich heben Gewohnheits-Konsumenten ihre Dosis an, sobald ein Gewöhnungseffekt auftritt. Das kann dazu führen, dass früher oder später Abhängigkeiten entstehen. Die Betroffenen kommen dann nicht mehr ohne das Suchtmittel aus.

Für Patienten fällt die Dosis von medizinischem Cannabis immer gleich aus. Zudem wird eine niedrigere Menge angestrebt. Zwar können sich auch zu Anfang der Einnahme stimmungsaufhellende Effekte bemerkbar machen, diese lassen im Laufe der Behandlung aber nach.

Eine britische Langzeitbeobachtung hat sich mit dem Konsumentenverhalten beschäftigt. Dabei stellte sich heraus, dass von 150 Patienten ein Drittel die Behandlung mit Cannabinoiden abbrach. Entzugssymptome konnten dabei nicht beobachtet werden.

Wechselwirkungen

Wird medizinisches Cannabis mit Arzneimitteln kombiniert, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Das wird auf die enthaltenen Cannabinoide zurückgeführt. Sowohl THC als auch CBD werden mithilfe von ausgewählten Enzymen in der Leber verstoffwechselt.

Das Problem: die gleichen Enzyme sind auch an der Umwandlung von Medikamenten im Organismus beteiligt. Sofern Arzneimittel und die Cannabinoide den gleichen Stoffwechselweg nutzen, können sich Wechselwirkungen ergeben.

Medikamente wirken dann entweder stärker oder schwächer. Das wurde bei folgenden Präparaten beobachtet:

Säurehemmer

Gerinnungshemmer

Schmerzmittel

Neuroleptika

Bei der gemeinsamen Einnahme von Cannabis und Sedativa (Beruhigungsmitteln) oder Hypnotika (Schlafmitteln) kann sich die beruhigende und muskelentspannende Wirkung verstärken. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere sedierende Substanzen, darunter auch Alkohol.

Gut zu wissen! Bevor medizinisches Cannabis und cannabisbasierte Arzneimittel verschrieben werden, sollte der vorhandene Medikamentenplan unbedingt besprochen werden. So können Wechselwirkungen im Vorhinein ausgeschlossen werden.

Kontraindikationen

Medizinisches Cannabis eignet sich nicht für jeden Menschen. Insbesondere zu Grunde liegende psychische Erkrankungen können einer Verschreibung im Weg stehen.

Zugelassene Fertigarzneimittel, die Cannabinoide enthalten, sind mit Fachinformationen ausgestattet. Demnach sollten folgende Personengruppen von einer Einnahme absehen:

Personen mit Allergien gegenüber der Cannabisextrakte oder sonstigen Inhaltsstoffen

Patienten mit Schizophrenie oder mit einer anderen psychotischen Diagnose

Menschen mit einer schweren Persönlichkeitsstörung oder anderen einschlägigen psychiatrischen Beeinträchtigungen

Patienten mit manisch-depressiven Erkrankungen oder Depressionen (davon sind Menschen mit MS-bedingten Depressionen ausgeschlossen)

Personen mit Epilepsien oder regelmäßigen Anfällen

Menschen mit einer starken Nierenfunktionsstörung oder Leberbeeinträchtigungen

Patienten mit einschlägigen Herzerkrankungen oder Hypertonie

Menschen mit einer Drogen- oder Suchtmittelvergangenheit

Schwangere

Stillende

Zudem ist Vorsicht geboten, wenn es um den Einsatz bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren geht. Für diese Personengruppe gibt es nicht genügend vorliegende Daten. Daher sollte eine Behandlung sorgfältig abgewogen werden. Bei älteren Menschen können verstärkte kardiovaskuläre (das Herz und Gefäße betreffend) und zentralnervöse (das zentrale Nervensystem betreffend) Nebenwirkungen auftreten. Daher ist auch hier das Nutzen-Risiko-Verhältnis zu betrachten.

Weitere Hinweise

Bei der Einnahme von medizinischem Cannabis, auch in Form von Fertigarzneimitteln, gilt es einiges zu beachten. Patienten stellen sich häufig die Frage, wie es mit der Verkehrstüchtigkeit und Auslandsreisen aussieht. Wir geben Antworten auf die häufig nachgefragten Themen.

Medizinisches Cannabis und Verkehrstüchtigkeit

Cannabinoide können Rauschzustände hervorrufen. Daher ist die Teilnahme am Straßenverkehr verboten, wenn Cannabis konsumiert wurde. Die Ausnahme bildet medizinisches Cannabis auf ärztliche Verschreibung. Anfangs können auch die rezeptpflichtigen Extrakte die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Zunächst ist es wichtig, die richtige Dosierung zu finden. Danach wird dem Organismus Zeit gegeben, sich an die Inhaltsstoffe zu gewöhnen. In der Regel sind Patienten, auch unter einer THC-Therapie dann fahrtauglich.

Im besten Fall wird während jeder Autofahrt eine ärztliche Bestätigung mitgeführt. Diese kann auf Nachfrage bei einer Polizeikontrolle vorgezeigt werden.

FAQ - die häufigsten Fragen zur Cannabis Nebenwirkung & Kontraindikation
Welche Nebenwirkungen können bei medizinischem Cannabis auftreten?

Auch wenn es sich um einen natürlichen Extrakt handelt, können Nebenwirkungen nie ganz ausgeschlossen werden. So können sich Schwindel, Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Angstgefühle, Mundtrockenheit und Übelkeit bemerkbar machen. Auch ein redseliges Verhalten oder Störungen des Kurzzeitgedächtnisses können durch die Aufnahme von medizinischem Cannabis auftreten.

Kann medizinisches Cannabis zu Wechselwirkungen führen?

Ausgewählte Cannabinoide wie THC und CBD werden in der Leber verstoffwechselt. Dafür sind Enzyme verantwortlich, die auch an der Aufnahme von Medikamenten beteiligt sind. Daher können Wechselwirkungen durch die Kombination mit bestimmten Medikamenten entstehen. Darunter Säurehemmer, Gerinnungshemmer, Schmerzmittel und Neuroleptika.

Darf jeder medizinisches Cannabis einnehmen?

Nein, denn es gibt bestimmte Kontraindikationen. Menschen, die über eine Suchtmittelvergangenheit verfügen oder an ausgewählten Krankheiten wie Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen, Depressionen, Epilepsie und einschlägigen Herzerkrankungen leiden, wird von der Einnahme abgeraten. Ebenso ist es für Schwangere, Stillende und Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Cannabisextrakten nicht empfehlenswert, medizinisches Cannabis einzunehmen.