Cannabis Indikationen - Medizinische Anwendungen von Cannabis

Seit 2011 können Mediziner in der Schweiz ihren Patienten Cannabis auf Rezept verschreiben. Voraussetzung dafür ist eine medizinische Indikation. Zudem muss das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Bewilligung ausstellen.

Sind diese Hürden genommen, kann medizinisches Cannabis bei verschiedenen Beschwerden und Krankheiten eingesetzt werden. Entsprechende Produkte werden bei chronischen Schmerzen sowie Übelkeit und Appetitverlust, ausgelöst durch eine Chemotherapie, empfohlen. Auch bei Krämpfen oder Spastiken soll medizinisches Cannabis hilfreich sein.

Cannabis-Arzneimittel werden aufgrund der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und positiven Erfahrungsberichte häufig angefragt. Wir verraten, wie die Pflanzenbestandteile im Körper wirken können. Zudem geben wir einen Überblick über die medizinischen Anwendungen von Cannabis.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Cannabis kann Einfluss auf das menschliche Endocannabinoid-System (ECS) haben, dadurch soll es unter anderem möglich sein chronische Schmerzen und Erkrankungen zu lindern.

  • Bei der Anwendung von medizinischem Cannabis kann keine Heilung versprochen werden, eine Linderung der Beschwerden soll jedoch möglich sein. Cannabis wird beispielsweise bei Patienten eingesetzt, die im Zuge einer Chemotherapie unter Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit leiden.

  • Cannabis kann zu einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit führen. Mit Hilfe von Cannabidiol soll es jedoch möglich sein Entzugssymptome zu lindern. Auch auf Stress und andere psychische Beschwerden kann es eine positive Wirkungen haben.

Vorteile
  • Anwendung bei zahlreiche Erkrankungen möglich, besonders bei psychischen und neurologischen Beschwerden
  • Laut Studien ist eine Linderung der Symptome und Schmerzen bei vielen Krankheiten möglich
  • Die Verwendung und Indikation von medizinischem Cannabis wird verstärkt erforscht, demnach gibt es immer mehr wissenschaftlich fundierte Aussagen zu der Thematik
Nachteile
  • Cannabis kann körperlich und seelisch abhängig machen

Wirkung von Cannabis im Körper

Die angenommene Wirkung von Cannabis wird auf das sogenannte Endocannabinoid-System (ECS) zurückgeführt. Jeder menschliche Organismus verfügt über das komplexe System. Die Entdeckung gelang 1992 einem Forschungsteam des National Institute of Mental Health.

Damit wurde der Grundstein für die Erforschung und Anwendung von Cannabis gelegt. Forscher nehmen an, dass der Eingriff in das Endocannabinoid-System hilfreich sein könnte, wenn es um verschiedene Beschwerden und Krankheiten geht.

Zunächst stellt sich jedoch die Frage, wie das Endocannabinoid-System funktioniert. Das besagte Regulationssystem setzt sich aus zwei verschiedenen Rezeptoren zusammen: CB1 und CB2. Während CB1 Rezeptoren überwiegend auf Nervenzellen nachgewiesen werden können, konzentrieren sich CB2 Rezeptoren offenbar auf die Zellen des Immunsystems.

Passend zu diesen Rezeptoren produziert der Körper Endocannabinoide. Diese können sich an die Rezeptoren binden und sie aktivieren. Zudem gelingt es, mit Extrakten aus der Hanfpflanze Cannabinoide von außen aufzunehmen.

Die häufigsten Vertreter sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Sie sollen in der Lage sein, verschiedene physische und psychologische Effekte im Organismus auszulösen. Der größte Unterschied zwischen diesen beiden Cannabinoiden ist, dass THC berauschend wirkt, CBD nicht.

Das bedeutet aber nicht, dass THC ausschließlich psychoaktive Wirkungen hervorruft. Darüber hinaus kann das Cannabinoid laut Studien unter anderem bei Schmerzen, Asthma, Glaukom und Übelkeit helfen. CBD ist hingegen für seine beruhigenden und angstlösenden sowie entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften bekannt.

Zusammengefasst kann davon ausgegangen werden, dass Cannabinoide, die mit medizinischem Cannabis aufgenommen werden, sich an körpereigene Rezeptoren binden und sie aktivieren. Dadurch können verschiedene Effekte im Körper ausgelöst werden.

Wozu braucht der Körper ein Endocannabinoid-System?

Bildlich gesehen stellt das Endocannabinoid-System das Schloss dar und die körpereigenen Endocannabinoide den Schlüssel. Nur wenn beide optimal zusammenpassen, kann das Schloss geöffnet und damit die Wirkung freigesetzt werden. Neben Endocannabinoiden können scheinbar auch Cannabinoide von außen das komplexe System ansprechen.

Noch konnten nicht alle Geheimnisse, rund um das Endocannabinoid-System, gelüftet werden. Forscher gehen aber davon aus, dass das System wichtige Regulationsaufgaben im Organismus übernimmt. So soll es in Verbindung mit folgenden Körperfunktionen stehen:

Verdauung

Appetit

Schlaf

Stimmung

Stoffwechsel

Entzündungen

Immunfunktion

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass eine niedrige Cannabinoid-Konzentration ursächlich für verschiedene Krankheiten sein könnte. Darunter die Fibromyalgie, die in der Schweiz bis zu 400.000 Menschen betrifft.

Neben einem Mangel scheinen auch erhöhte Endocannabinoid-Werte ein Problem zu sein. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten belegen, dass Patienten mit Arthritis, Parkinson oder chronischen Schmerzen mehr Endocannabinoide aufweisen. Laut einer Theorie könnte das Zuführen von Cannabinoiden von außen dabei helfen, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Medizinisches Cannabis - bei welchen Krankheiten wird es eingesetzt?

Medizinisches Cannabis wird bei einer Vielzahl von Beschwerden und Erkrankungen empfohlen. Zwar versprechen die Pflanzenbestandteile keine Heilung, eine Linderung scheint Erfahrungsberichten und Studien zufolge aber möglich zu sein. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die medizinischen Anwendungen und das Potenzial von Cannabis.

Übelkeit und Erbrechen

Menschen, die sich einer Chemotherapie unterziehen, haben häufig mit Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit zu kämpfen. Cannabismedikamente zeigen im Vergleich zu Placebos (Scheinmedikamenten) und älteren herkömmlichen Mitteln gegen Erbrechen eine gute Wirkung.

Ob medizinisches Cannabis im Vergleich zu neueren Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen ebenso gut abschneidet, müssen zukünftige Studien untersuchen.

Bei ausgewählten Erkrankungen ist eine Gewichtszunahme sehr erwünscht. Das betrifft vor allem Personen, die im Zuge ihrer langwierigen oder schweren Krankheit deutlich an Gewicht verlieren. Cannabis könnte auch hierbei hilfreich sein.

So konnte eine leichte Gewichtszunahme nach der Aufnahme von Cannabinoiden bei HIV- und Aids-Patienten nachgewiesen werden. Zudem zeigte sich eine appetitanregende Wirkung bei Krebs- und Aids-Patienten, die sich einer palliativen Behandlung unterzogen. Eine palliative Therapie konzentriert sich darauf, Linderung zu verschaffen und die Lebensqualität zu erhöhen, ohne auf eine Heilung abzuzielen.

Cannabis bei Schmerzen

Verschiedene Studien legen den Schluss nahe, dass die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze Schmerzen lindern können. Dabei steht das Cannabinoid THC im Vordergrund. Eine Untersuchung hat sich darauf konzentriert, wie sich Cannabis bei Fibromyalgie auswirkt. Menschen mit Fibromyalgie leiden unter chronischen Schmerzen, die sich unter anderem im Bereich der Muskeln und im Bindegewebe bemerkbar machen. Zudem treten Schlafstörungen, Antriebsschwäche, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme auf.

Eine Studie des Leiden University Medical Center in Kooperation mit einem Cannabis-Hersteller hat gezeigt, dass Schmerzsymptome mit den pflanzlichen Auszügen behandelt werden können. An der Forschungsarbeit nahmen 20 Patienten teil, die in Gruppen eingeteilt wurden. Sie erhielten verschiedene Cannabiserzeugnisse.

Diejenigen Probanden, die Produkte mit einem hohen THC-Gehalt einnahmen, hatten deutlich weniger Schmerzen als die übrigen Studienteilnehmer. Daraus schließen die Autoren, dass THC bei Fibromyalgie hilfreich sein könnte.

Aber auch bei anderen Erkrankungen, die chronische Schmerzen hervorrufen, kann medizinisches Cannabis eingesetzt werden. Beobachtungen zufolge trägt Cannabis dazu bei, die Schmerzen weniger unangenehm und erträglicher zu machen. Das konnte in einer weiteren Studie belegt werden.

Cannabis bei Epilepsie

Mit Blick auf medizinischen Cannabis steht häufig die psychoaktive Substanz THC im Vordergrund. Bei Epilepsie scheint sich aber ein weiterer Extrakt aus der Hanfpflanze, namens Cannabidiol (CBD), zu bewähren.

Laut Patientenberichten soll insbesondere CBD dabei helfen, die Anfallshäufigkeit zurückzufahren. In Tiermodellen konnte zudem beobachtet werden, dass der pflanzliche Extrakt epileptische Anfälle schneller beenden kann. Die potenzielle Wirkungsweise ist schnell erklärt: die Pflanzenwirkstoffe sollen überaktive Synapsen während eines Anfalls abschalten.

Depressionen und Angst mit Cannabis lindern?

An Erfahrungsberichten mangelt es nicht. Zahlreiche Menschen geben an, dass Cannabis ihnen bei der Bewältigung von Depressionen und Angstgefühlen geholfen hat. Allerdings gibt es nur wenige Studien, die diese vielversprechenden Beobachtungen unterstützen. Tierversuche geben Grund zu der Annahme, dass mit Cannabis stressbedingte Depressionen gelindert werden können. Untersuchungen am Menschen stecken in Bezug auf die Thematik aber noch in den Kinderschuhen.

Forscher der Washington State University haben sich jedoch der Frage gewidmet, wie sich Cannabis auf psychische Leiden auswirken kann. Dabei zeigte sich, dass Cannabis mit einem überschaubaren THC-Gehalt aber einem hohen CBD-Gehalt besonders gut geeignet ist, um Depressionen zu lindern.

Konsumentenprodukte, die beide Cannabinoide in einer hohen Konzentration vereinen, können offenbar besonders gut gegen Stresssymptome eingesetzt werden. Der Cannabiskonsum führte laut Untersuchung bei den Teilnehmern zu einer Reduktion der Depressionszustände um 50 %. In Bezug auf Angstgefühle und Stress war es eine Reduktion von 58 %.

Cannabis gegen ADHS

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS, wird den hyperkinetischen Störungen zugeordnet. Mit Blick auf die kinderpsychiatrischen Störungen fällt die Diagnose ADHS besonders häufig. Es gibt viele Betroffene, Kliniken und Mediziner die aussagen, dass Cannabis bei dem Syndrom hilfreich sein kann.

So sollen die Pflanzenbestandteile die Konzentrationsfähigkeit steigern und sich positiv auf impulsives Verhalten, Schlaflosigkeit und Depressionen auswirken. Die Studienlage in Bezug auf Cannabis bei ADHS ist sehr eingeschränkt.

Eine randomisierte, placebokontrollierte Pilotstudie lieferte jedoch bemerkenswerte Ergebnisse. Daran nahmen 30 Menschen mit ADHS teil. Sie erhielten entweder ein Scheinmedikament oder ein Mundspray, dass THC und CBD enthielt. Die Untersuchung lief 6 Wochen.

Das Cannabismedikament führte offenbar zu einer deutlichen Verbesserung der Impulsivität und Hyperaktivität. Die kognitiven Fähigkeiten wurden durch die Gabe des Arzneimittels nicht beeinträchtigt.

Allerdings müssen noch mehr klinischer Studien erfolgen, um klare Handlungsempfehlungen für ADHS-Patienten geben zu können.

Cannabis Wirkung bei Krebs

Häufig ist zu lesen, dass Cannabis Krebs heilen kann. Das ist so nicht richtig. Verschiedene Untersuchungen im Labor zeigen zwar, dass die Cannabis-Wirkstoffe Krebszellen absterben lassen können, inwieweit das auf den menschlichen Körper übertragen werden kann, ist aber ungewiss.

Trotzdem gehen Forscher davon aus, dass Cannabis sich positiv auf Krebserkrankungen auswirken könnte. Grund zu der Annahme liefern Studien, die darauf hinweisen, dass THC und CBD offenbar das Wachstum von Glioblastomen hemmen. Bei Glioblastomen handelt es sich um bösartige Tumorerkrankungen im Gehirn.

Zudem konnte in einer Untersuchung festgestellt werden, dass eine Kombination von THC und CBD die Wirkung von Temozolomid unterstützen kann. Temozolomid kann Teil der Chemotherapie bei einem Glioblastom sein.

Nicht zuletzt könnte medizinisches Cannabis Patienten dabei helfen, Linderung während der Krebserkrankung zu erfahren. Schließlich haben sich die Pflanzenwirkstoffe laut Erfahrungsberichten bei chronischen Schmerzen und Übelkeit sowie Erbrechen wirksam gezeigt.

Cannabis bei Schlafstörungen

Schlafstörungen sind quälend. Auch hier könnte medizinisches Cannabis Abhilfe schaffen. Studien geben Hinweise darauf, dass das Endocannabinoid-System in Verbindung mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus steht.

Womöglich könnte das Zuführen von Cannabinoiden die Schlafqualität unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei Cannabidiol, bei dem schlaffördernde Eigenschaften vermutet werden.22 Im Rahmen einer Studie gaben Patienten an, dass sie nach der Einnahme von Cannabisprodukten besser einschlafen konnten.

Scheinbar spielt dabei eine übergeordnete Rolle, welche Cannabispflanze zur Behandlung von Schlafproblemen eingesetzt wird. Insbesondere Cannabisprodukte mit einem niedrigen THC-Gehalt sollen die Nachtruhe unterstützen.

Cannabis Wirkung bei Schizophrenie

Bei einer Schizophrenie handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der die Persönlichkeit der Patienten beeinflusst wird. Darunter leiden nicht nur Betroffene, sondern auch häufig die Angehörigen stark.

Inwieweit die Auszüge der Hanfpflanze dabei behilflich sein können, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2011. Daran nahmen 41 Patienten mit Schizophrenie teil. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Während die eine Gruppe ein antipsychotisches Arzneimittel bekam, erhielt die andere Gruppe anfänglich 200 mg CBD und später 800 mg CBD täglich. Offenbar war CBD in der Lage, die Beschwerden der Krankheit zu beeinflussen, und zwar genauso wie das Arzneimittel.

Dafür machten die Forscher den Anandamid-Spiegel verantwortlich. Dieser lag bei den Probanden, die das CBD einnahmen, deutlich höher. Zur Erklärung: Anandamid zählt zu den Endocannabinoiden. Es kann insbesondere in den Arealen des zentralen Nervensystems nachgewiesen werden. Diese stehen in Verbindung mit der Wahrnehmung, Verarbeitung der Gedanken und den Bewegungsabläufen.

Warum es in der CBD-Gruppe zu den erhöhten Anandamid-Werten kam, konnten sich die Wissenschaftler ebenfalls erklären. Schließlich bremst Cannabidiol ein Enzym aus, dass für den Anandamid-Abbau zuständig ist. Das Ergebnis: Der Anandamid-Spiegel steigt an.

Cannabis bei Tourette-Syndrom

Das Tourette-Syndrom (TS) fällt unter die neuropsychiatrischen Erkrankungen. Betroffene leiden unter motorischen und lokalen Tics wie Husten und Gesichtszuckungen. Cannabinoide könnten bei TS eingesetzt werden, um unwillkürliche Bewegungen und muskuläre Probleme zu behandeln. Studien haben entsprechende Hinweise darauf geliefert. Zudem wurde in Untersuchungen festgestellt, dass Stoffwechselprobleme und Depressionen durch die Einnahme von Cannabinoiden gelindert werden können. Beide Themen spielen bei Menschen mit dem Tourette-Syndrom eine Rolle.

Eine Pilotstudie hat 12 Erwachsene mit TS unter der Gabe von Cannabis untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich die Tics und das Zwangsverhalten verbesserten, wenn die Pflanzenbestandteile aufgenommen wurden. Hierbei soll insbesondere THC behilflich sein.

Spastik lindern mit Cannabis?

Bei einer Spastik liegt eine krankhaft erhöhte Muskelspannung vor. Viele Patienten mit Multiple Sklerose haben damit zu kämpfen. In Studien an Tieren konnten Cannabinoide sowohl die Spastik als auch den Tremor verbessern. Beim Tremor kommt es zu unwillkürlichen Schüttelbewegungen von Körperteilen. Diese können für den Patienten sehr belastend sein.

Menschen mit Multiple Sklerose, die unter einer Spastik litten, wurde in einer klinischen Pilotstudie THC verabreicht. Dabei konnte beobachtet werden, dass die Probanden von dem Cannabinoid profitierten.

Weitere Untersuchungen haben Hinweise darauf gegeben, dass Behandlungen mit Cannabinoiden Starrheit, Schmerzen und Schlafstörungen positiv beeinflussen können, und zwar dort, wo andere Behandlungen versagt haben.

Medizinisches Cannabis bei Glaukom

Bei einem Glaukom, auch als grüner Star bezeichnet, liegt eine Erhöhung des Augeninnendrucks vor. Üblicherweise werden Medikamente verabreicht, die den Augeninnendruck senken. Alternativ könnten auch Cannabinoide zur Behandlung neurogenerativer Erkrankungen der Netzhaut eingesetzt werden.

Das kann zumindest von einer Studie abgeleitet werden, die sich mit den gefäßerweiternden Effekten von Cannabis beschäftigte. Patienten mit Glaukom inhalierten dabei bis zu 90 Minuten entsprechende Pflanzenextrakte. Danach konnten ein gesunkener Blutdruck und Augeninnendruck festgestellt werden.

Das klingt vielversprechend, wenn es um die Behandlung von grünem Star geht. Allerdings versetzt eine Studie aus dem Jahr 2018 der Euphorie einen Dämpfer. Scheinbar könnte ein chemischer Bestandteil der Cannabispflanze den Druckanstieg im Auge unterstützen. Dabei handelt es sich um Cannabidiol. Weitere Studien müssen nun folgen, um abschätzen zu können, ob sich CBD negativ auf die Erkrankung auswirken könnte.

Asthma: Wirkung von Cannabis

Asthma ist eine chronische Atemwegsentzündung, bei der sich die Atemwege aufgrund einer Entzündung verengen. Der Patient hat nun unter anderem mit Atemnot und Hustenanfällen zu kämpfen. Die Wissenschaft hat sich ebenfalls damit beschäftigt, ob medizinisches Cannabis bei Asthma hilfreich sein könnte.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass THC die Bronchien erweitern kann. Zudem wird angenommen, dass medizinisches Cannabis ein weitreichendes entzündungshemmendes Potenzial besitzt. Das könnte auch bei der Behandlung von Asthma entscheidend sein. Forscher gehen davon aus, dass die Ansprache des CB1 Rezeptors den bronchienerweiternden Effekt auslöst, während CB2 für die entzündungshemmende Wirkung verantwortlich gemacht werden kann.

Abhängigkeiten und Entzugssymptome

Zunächst klingt es wenig glaubhaft, dass die Komponenten der Cannabispflanze bei Abhängigkeiten und Entzugssymptomen helfen können. Schließlich kann ein regelmäßiger Cannabiskonsum selbst zu seelischer und körperlicher Abhängigkeit führen. Hierbei steht jedoch der Konsum im Mittelpunkt, der eine berauschende Wirkung zum Ziel hat.

Abhängigkeiten und Entzugssymptome könnten jedoch mit einem bestimmten Extrakt der Hanfpflanze gemildert werden: Cannabidiol. In einer Studie wurden Ratten, die unter einer Alkohol- und Kokainabhängigkeit litten, weniger rückfällig.

Bei einem Entzug geht es aber nicht nur darum, Rückfälle zu vermeiden, sondern auch die Begleiterscheinungen abzumildern. Einige Suchterkrankungen können nur mit einem hohen Aufwand bewältigt werden. Neben der Sehnsucht nach dem Suchtmittel quälen sich Betroffene mit Ängsten, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Stress herum. Verschiedene Untersuchungen stützen die Annahme, dass CBD dabei ein breites Einsatzgebiet zukommt.

So wird die Substanz auch bei Stress, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit empfohlen.

Studien und Quellen zum Thema Cannabis Indikation
Studien und Quellen
Häufige Fragen
Wie wirkt medizinisches Cannabis im Körper?

Forscher nehmen an, dass eingenommene Cannabinoide mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS) interagieren. Daran sind die Rezeptoren CB1 und CB2 beteiligt, die an vielen Stellen im Körper nachgewiesen werden können.

Bei welchen Krankheiten kann medizinisches Cannabis helfen?

Aufgrund der enthaltenen Cannabinoide könnte Cannabis bei zahlreichen Krankheiten und Beschwerden Abhilfe schaffen. Allerdings handelt es sich um einen Naturextrakt. Ob und wie entsprechende Präparate wirken, kann daher nicht vorausgesagt werden. Besonders häufig wird medizinisches Cannabis eingesetzt, um chronische Schmerzen, Ängste, Schlafstörungen und Spastiken zu lindern.

Macht medizinisches Cannabis abhängig?

Cannabis ist insbesondere als Rauschmittel bekannt. Regelmäßig konsumiert kann es zu Abhängigkeitssymptomen führen. Bei medizinischem Cannabis geht man eher nicht von einem Suchtpotenzial aus. Schließlich stellt sich die Dosierung niedriger und immer gleich dar.