Cannabis Einnahmearten - Dosierungsempfehlungen für das Hanf Arzneimittel

Seit dem Jahr 2011 können sich Patienten in der Schweiz Cannabis auf Rezept verordnen lassen. Allerdings ist hierfür eine Bewilligung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erforderlich.

Betroffenen stehen dann Cannabis-Arzneimittel und verschiedene Darreichungsformen zur Verfügung. Wir verraten, welche das sind und warum es empfehlenswert ist, verschiedene Dosierungsempfehlungen zu beachten.

Das Wichtigste auf einen Blick
  • Als einziges Cannabis-Arzneimittel ist Sativex in der Schweiz zulässig. Es wird vorrangig Menschen mit Multiple Sklerose verschrieben, die unter Spastiken leiden.

  • Cannbis-Arzneimittel sind in unterschiedlichen Darreichungsformen erhältlich, zu den gängigsten gehören Fertigarzneimittel, die oral eingenommen werden können. Alternativ kann medizinisches Cannabis auch inhaliert werden.

  • Die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente hat u.a. Dosierungsempfehlungen für die Einnahme von Cannabinoid-Tropfen gegeben. Wir haben beispielhafte Dosierungsanleitungen für Sie zusammengestellt.

Vorteile
  • Medizinisches Cannabis ist in unterschiedliche Darreichungsformen erhältlich, die Einnahme kann daher individuell auf den Patienten abgestimmt werden
  • Dem Pflanzenextrakt wird eine Reihe von positiven Eigenschaften nachgesagt, so soll es dabei helfen, Schmerzen, Spastiken, Übelkeit, Entzündungen und vieles mehr zu bekämpfen
  • Cannabisextrakte mit einem THC-Gehalt unter 1% dürfen frei erworben und legal konsumiert werden, sie fallen nicht unter das Betäubungsmittelgesetz
Nachteile
  • Fertigarzneimittel wie Sativex sind verhältnismäßig teuer und bedürfen in der Regel einer Ausnahmebewilligung des BAG

Cannabis-Arzneimittel - Welche gibt es?

Cannabinoide erhalten ein Comeback. Sie werden nicht mehr ausschließlich als Rauschmittel, sondern auch als wirksame Substanzen gehandelt. Die Pflanzenextrakte sollen dabei helfen, Schmerzen, Spastiken, Übelkeit, Entzündungen und vieles mehr zu bekämpfen.

Grundsätzlich kommen für Patienten Fertigarzneimittel, Cannabisextrakte und Cannabisblüten in Betracht.

Medizinisches Cannabis: Fertigarzneimittel

Das überarbeitete Betäubungsmittelgesetz macht es in der Schweiz möglich, Fertigarzneimittel, die auf Cannabis basieren, zu verschreiben. Allerdings dürfen entsprechende Präparate erst dann auf den Markt, wenn sie von der Schweizerischen Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen wurden.

In der Schweiz macht sich ausschließlich das Arzneimittel Sativex Cannabis zunutze und verfügt gleichzeitig über eine heilmittelrechtliche Zulassung. Es kann sogar ohne Ausnahmebewilligung des BAG von Medizinern verschrieben werden. Allerdings nur für Patienten, die unter Multipler Sklerose-bedingten Spastiken leiden.

Liegt eine andere Diagnose vor, handelt es sich um eine sogenannte Off-Label-Anwendung für die eine Ausnahmebewilligung des BAG erforderlich ist.

Medizinisches Cannabis: Cannabisextrakte

Neben Cannabis-Arzneimitteln gibt es cannabishaltige Zubereitungen. Sie setzen ebenfalls auf die Kraft der Cannabinoide. Aktuell gibt es in der Schweiz fünf rezeptpflichtige Cannabinoidprodukte. Sie alle enthalten 1% Tetrahydrocannabinol (THC) oder mehr. Aus diesem Grund fallen sie unter das Betäubungsmittelgesetz und erfordern eine Ausnahmebewilligung des BAG.

In der Schweiz erhältliche Cannabis-Extrakte:
BezeichnungCBD-AnteilTHC-Anteil

Dronabinol

0 %

2,5 %

Cannabis-Tinktur

2,3 %

1,1 %

Cannabisöl

2,1 %

1,1 %

Sativa-Öl (Hänseler)

0,3 %

1%

Quellenangaben: Rheumaliga: Das Comeback der Cannabismedizin, 2019

TIPP: Ärztliches Rezept notwendig

Wer eine magistrale Zubereitung mit CBD beziehen möchte, benötigt ein ärztliches Rezept, allerdings keine Ausnahmebewilligung des BAG. Bei der Zubereitung wird ausschließlich auf CBD gesetzt. Die hohe CBD Dosierung ist aktuell nur in zwei Apotheken in der Schweiz erhältlich: in der Apotheke zur Eiche in Herisau und in der Bahnhofsapotheke in Langnau.

Medizinisches Cannabis: Cannabisblüten

In der Schweiz ist der Erwerb und der Konsum von Cannabisprodukten erlaubt, sofern der THC-Gehalt 1% nicht übersteigt. Entsprechende Präparate können in Shops und online erworben werden. Das Gleiche gilt für Cannabisblüten. Auch hier ist weder ein Rezept noch eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, wenn der THC-Anteil unter einem Prozent liegt.5 Cannabisblüten werden in der Schweiz nicht verschrieben. Damit soll der Missbrauch als Genussmittel verhindert werden.

Darreichungsformen

Grundsätzlich können medizinisches Cannabis und entsprechende Präparate oral eingenommen oder inhaliert werden. Im Folgenden möchten wir einen Überblick über die Darreichungsformen geben.

Medizinisches Cannabis oral einnehmen

Mit Blick auf medizinisches Cannabis hat sich die sublinguale Anwendungsform besonders bewährt. Dabei werden Tinkturen oder Cannabisöle unter die Zunge gegeben. Danach wird 1-2 Minuten abgewartet, um der Mundschleimhaut genügend Zeit zu geben, die Inhaltsstoffe aufzunehmen. Als Vorteil wird angeführt, dass eine schnelle Wirkung über die Mundschleimhaut möglich ist. Zudem soll diese Anwendung nützlich bei Übelkeit und Erbrechen sein.

Neben der oralen Einnahme von Tinkturen und Ölen kann auch Spray sublingual eingenommen werden. Hier soll die Wirkung ebenfalls durch die Aufnahme über die Mundschleimhaut gelingen. Das populärste Cannabis-Spray für medizinische Zwecke ist Sativex. Es besitzt Zulassungen in 28 Ländern, darunter auch in der Schweiz. Das patentierte Arzneimittel enthält THC und CBD zu gleichen Teilen. Patienten geben an, dass die Anwendung und die Dosierung oral einfach durchzuführen sind. Zudem kann von einer raschen Wirkung (etwa 15 Minuten) ausgegangen werden. Vor allem Menschen mit Muskelkrämpfen, zum Beispiel bei Multiple Sklerose, setzen auf das Medikament.

Allerdings gibt es einen Nachteil. Sativex ist verhältnismäßig teuer und kann zu Entzündungen der Mundschleimhaut führen.

Medizinisches Cannabis inhalieren

Die meisten Menschen verbinden Cannabis mit Kiffen. Dabei werden die Cannabinoide geraucht. In Verbindung mit medizinischem Cannabis ist diese Anwendung aber nicht empfehlenswert. Schließlich wird bei dem herkömmlichen Rauchen von Cannabis Tabak beigemischt. Dadurch können krebserregende Verbrennungsprodukte entstehen und so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Zudem können weitere gesundheitliche Probleme hervorgerufen werden. Nicht zuletzt kann durch das Verbrennen ein nicht unerheblicher Teil der Cannabinoide verloren gehen.

Besser geeignet ist das Vaporisieren bzw. Verdampfen. Hierbei erwärmt ein sogenannter Vaporizer das Cannabisprodukt. So können konzentrierte Cannabis- Extrakte und Blüten konsumiert werden. Der Vaporizer erinnert an eine elektrische Zigarette und ermöglicht die Einstellung unterschiedlicher Temperaturen.

Das ist empfehlenswert, da dadurch die Aufnahme der Inhaltsstoffe geregelt und so die therapeutische Wirkung beeinflusst werden kann. Neben dem Vorteil der guten Dosierbarkeit setzt die Wirkung Beobachtungen zufolge schnell ein.

Dosierungsempfehlungen

Die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente hat verschiedene Dosierungsempfehlungen mit Blick auf die orale Einnahme von Cannabinoid-Tropfen und dem Medikament Sativex gegeben. Zudem hat sich die Arbeitsgemeinschaft mit dem Verdampfen von Cannabisblüten beschäftigt.7 Folgende Empfehlungen beziehen sich auf die beispielhaften Dosierungsanleitungen, die von der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente herausgegeben wurden.

Patienten sollten sich jedoch in erster Linie an die Vorgaben ihres Arztes oder jene, die sich aus der Packungsbeilage ergeben, halten.

Dronabinol-Tropfen: Beispielhafte Dosierungsanleitung

Patienten können mit 2x2 Tropfen beginnen. Da die Essensaufnahme den Wirkeintritt beeinflussen kann, sollte das Präparat entweder vor oder nach einer Mahlzeit angewendet werden. Betroffene sollten sich für einen Einnahmezeitpunkt entscheiden, damit der potentielle Wirkeintritt immer gleich verläuft.

Bei guter Verträglichkeit kann die Menge am darauffolgenden Tag auf 2x3 Tropfen erhöht werden. Eine weitere Erhöhung kann in Betracht gezogen werden, wenn die Symptomlinderung nicht ausreichend ist.

Bei Nebenwirkungen wird die vorherige gut vertragene Dosis wieder angesetzt. Bis die ideale Dosierung gefunden ist und sich Anwender sicher fühlen, sollte die Teilnahme am Straßenverkehr verhindert werden.

Sativex: beispielhafte Dosierungsanleitung

Patienten sollten vor der Einnahme die Packungsbeilage aufmerksam durchlesen. Das Medikament kann grundsätzlich vor oder nach dem Essen eingenommen werden. Auch hier sollte kein Wechsel des Anwendungszeitpunktes stattfinden. Das bedeutet, Patienten müssen sich entscheiden, ob sie das Cannabismedikament vor oder nach einer Mahlzeit einnehmen.

Zunächst wird mit einem Sprühstoß am Abend gestartet. Bei guter Verträglichkeit kann die Dosierung gemäß der Packungsbeilage gesteigert werden. Stellt sich ein leichtes Schwindelgefühl oder andere unerwünschte Begleiterscheinungen ein, sollte die vorherige Dosierung wieder angesetzt werden.

Eine weitere Steigerung der Dosierungsmenge ist nicht erforderlich, wenn sich die Symptome ausreichend gelindert darstellen. Auch bei der Anwendung von Sativex ist es empfehlenswert, sich zunächst mit dem Medikament sicher zu fühlen, bevor am Straßenverkehr teilgenommen wird.

Cannabisblüten inhalieren: beispielhafte Dosierungsanleitung

Patienten, die Cannabisblüten konsumieren möchten, sollten sich zunächst einen Vaporisator anschaffen. Danach wird mit 3 × 15 mg des Pflanzenmaterials begonnen. Nachdem die Verträglichkeit geprüft wurde, kann an dem darauffolgenden Tag auf 3 × 30 mg erhöht werden. Am 3. Tag bietet sich eine Erhöhung auf 3 × 45 mg an, sofern die Linderung noch nicht ausreichend ist.

Auch hier gilt: Stellen sich unerwünschte Begleiterscheinungen ein, sollte die vorherige Dosierung angestrebt werden. Patienten können mit den Einzeldosen variieren. Für manche Menschen bieten sich zwei einzelne Einnahmen an, während andere besser mit einer 8-maligen Anwendung zurechtkommen.

Auch bei Cannabisblüten sollte zunächst die Teilnahme am Straßenverkehr zurückgestellt werden. Das dient der Sicherheit der Patienten selbst und der übrigen Autofahrer.

Übrigens: Wenn eine Cannabissorte gewechselt wird, kann es notwendig sein, die Dosierungsphase erneut einzuleiten, um die optimale Menge zu ermitteln.

FAQ - Häufige Fragen
Sind Cannabis-Arzneimittel legal?

Das Betäubungsmittelgesetz in der Schweiz wurde überarbeitet. Nun haben Ärzte die Möglichkeit, Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Allerdings ist dafür eine Indikation notwendig. Als einziges Cannabis-Arzneimittel ist Sativex in der Schweiz zulässig. Es wird vorrangig Menschen mit Multiple Sklerose verschrieben, die unter Spastiken leiden.

Welche Cannabis-Arzneimittel gibt es?

Grundsätzlich kann bei Cannabis-Arzneimitteln unter Fertigpräparaten, Cannabisextrakten und Cannabisblüten unterschieden werden. Die jeweiligen Produkte können sich in der Einnahme und Wirkung unterscheiden.

Wie werden Cannabis Arzneimittel dosiert?

Bei allen rezeptpflichtigen cannabishaltigen Präparaten sollte zuvor die Packungsbeilage studiert werden. Bestehen Unsicherheiten, können sich Betroffene an ihren Arzt oder Apotheker wenden.